====== Cannabidiol for psychotic disorders: A meta-analysis of randomized controlled trials ====== **Autoren:** Mattia Marchi, et al. **Publikation:** Journal of Psychopharmacology, 2026 **DOI:** [[https://doi.org/10.1177/02698811261430501|10.1177/02698811261430501]] **Studientyp:** Systematische Übersichtsarbeit, Meta-Analyse von RCTs ===== Hintergrund ===== CBD (Cannabidiol) wird seit Jahren als potenzielle ergänzende Behandlung für Psychose-Symptome diskutiert, da es im Gegensatz zu THC keine pro-psychotischen Nebenwirkungen aufweist und präklinische Studien neuroprotektive sowie anti-entzündliche Effekte nahelegen. Bisherige kleine RCTs lieferten jedoch widersprüchliche Ergebnisse, weshalb diese große Meta-Analyse die weltweite Evidenz erstmals zusammenfasst. ===== Methodik (detailliert) ===== - **Literatursuche:** Systematische Suche in PubMed, Scopus, Embase, PsycInfo, CINAHL und clinicaltrials.gov bis Juli 2025, ohne Sprachbeschränkung - **Einschlusskriterien:** Randomisierte kontrollierte Studien (RCTs), die CBD als Zusatztherapie zu Standard-Antipsychotika bei Patienten mit Schizophrenie-Spektrum-Erkrankungen untersuchten, unabhängig vom Publikationsstatus - **Statistik:** Random-Effects-Modelle, Heterogenitätsprüfung mit I²-Statistik, Risiko für Bias mit Cochrane Risk of Bias Tool 2 - **Endpunkte:** Primär: Gesamt-PANSS-Score (Psychopathology Scale); Sekundär: Positive/negative Symptome, kognitive Leistung, Verträglichkeit ===== Ergebnisse (detailliert) ===== - 8 RCTs mit insgesamt 288 Teilnehmern (CBD-Gruppe n=144, Placebo n=144) - Altersdurchschnitt: 32,5 Jahre, 62% männlich, 74% chronische Schizophrenie-Diagnose - CBD-Dosisbereich: 200 mg/Tag bis 1000 mg/Tag (Median 800 mg/Tag oral) - **Primärer Endpunkt:** Keine signifikante Überlegenheit von CBD gegenüber Placebo (SMD: -0,194; 95%-KI: -0,444 bis 0,056; p=0,13) - **Sekundäre Endpunkte:** Keine signifikanten Effekte auf positive Symptome (SMD: -0,12), negative Symptome (SMD: -0,08) oder kognitive Leistung (SMD: -0,05) - **Subgruppenanalysen:** Kein Unterschied zwischen ersten Episode und chronischer Schizophrenie, kein Dosis-Wirkungs-Zusammenhang - **Verträglichkeit:** Abbruchraten vergleichbar (12% CBD vs. 11% Placebo), keine schweren unerwünschten Ereignisse im Zusammenhang mit CBD ===== Limitationen ===== - Geringe statistische Power durch kleine Gesamtstichprobe - Hohe Heterogenität zwischen den Studien (I²=62%) - Kurze Follow-up-Zeiträume (maximal 12 Wochen, median 6 Wochen) - Viele eingeschlossene Studien hatten ein hohes Risiko für Bias (unzureichende Verblindung, selektiver Bericht von Endpunkten) - Evidenzqualität nach GRADE: Niedrig bis sehr niedrig ===== Klinische Implikationen ===== Aktuell gibt es keine ausreichende Evidenz, um CBD als Routinezusatztherapie bei Schizophrenie-Spektrum-Erkrankungen zu empfehlen. Ärzte sollten Patienten darüber aufklären, dass CBD-Produkte in dieser Indikation nicht zugelassen sind und die Datenlage für eine klinische Entscheidung unzureichend ist. Weitere Forschung mit größeren Kohorten, längeren Beobachtungszeiträumen und standardisierten Dosierungen ist dringend notwendig. ===== Weitere Quellen ===== * [[https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29241357/|McGuire et al. 2018: CBD als Zusatztherapie bei Schizophrenie (RCT)]] * [[https://www.nimh.nih.gov/health/topics/schizophrenia|NIMH: Schizophrenia – Symptome & Diagnosekriterien]] * [[https://doi.org/10.3389/fphar.2021.614811|Leweke et al. 2021: CBD vs. Amisulprid – Kognition bei Schizophrenie]] * [[https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK556048/|NCBI: Cannabidiol (CBD) – Pharmakologie]] ===== Tags ===== cannabis, medical, schizophrenia, cbd, meta-analysis, psychosis