Belüfteter Komposttee (AACT – Actively Aerated Compost Tea) ist ein flüssiges, mikrobenreiches Extrakt aus hochwertigem Kompost, das durch aktive Belüftung und Zugabe von Nährstoffen (Melasse, Haferflocken, Fischhydrolysat) vermehrt wird. Während reiner Kompostextrakt (nicht belüftet) lediglich die vorhandenen Mikroben auswäscht, vermehrt AACT die nützlichen Bakterien, Pilze, Protozoen und Nematoden um ein Vielfaches – ein ideales Werkzeug für den Living-Soil- und No-Till-Anbau.
→ Living Soil & No-Till → Substrat-Grundlagen → Nützlinge im Cannabisanbau → Begleitpflanzen
Stand: 2026-05-28 (Quellen korrigiert) | Neu erstellt
Komposttee wird nicht einfach nur „gebrüht“ – er wird gebraut (brewed). Der entscheidende Unterschied zu Kompostextrakt (einfaches Einweichen) ist der aktive Sauerstoffeintrag über eine Aquariumpumpe mit Luftsteinen.
| Begriff | Beschreibung | Anwendung |
| ——— | ————- | ———– |
| Kompostextrakt | Kompost in Wasser eingerührt, 1–24 h stehen gelassen | Einfache Nährstofflösung |
| Nicht belüfteter Tee (NCT) | Kompost + Wasser, gelegentlich umgerührt, 3–7 Tage | Fermentiert, variabel |
| Belüfteter Komposttee (AACT) | Kompost + Wasser + Nahrung + Sauerstoff, 24–48 h | Mikrobielles Konzentrat |
Der Grund für die Belüftung: Die aeroben (sauerstoffliebenden) Mikroorganismen – Bakterien, Pilze, Protozoen – vermehren sich innerhalb von 24–48 Stunden exponentiell. Ohne Sauerstoff dominieren Fäulnisbakterien (Anaerober), die schädliche Stoffwechselprodukte wie Alkohole und organische Säuren produzieren können.
Living-Soil-Züchter nutzen Komposttee aus drei Hauptgründen:
Nach einer Ernte, bei Trockenstress oder nach Überwässerung kann das Bodenleben aus dem Gleichgewicht geraten. Ein kräftiger AACT-Schub bringt innerhalb von Stunden Milliarden neuer Mikroorganismen in die Rhizosphäre zurück.
Die Mikroben im Tee wandeln gebundene Nährstoffe (z. B. Phosphat, Spurenelemente) in pflanzenverfügbare Formen um. Besonders bei organischem Anbau ist dies der Schlüssel zur effizienten Nährstoffversorgung.
Bestimmte Mikrobenkonstellationen (insbesondere Pseudomonas-Arten und Trichoderma-Pilze) konkurrieren mit pathogenen Pilzen wie Botrytis cinerea (Grauschimmel) und Pythium (Wurzelfäule) um Platz und Ressourcen (Best4Soil – Compost Tea Factsheet).
Eine aktuelle Studie (2025) zeigte signifikante Ertragssteigerungen durch Komposttee-Anwendung bei verschiedenen Gemüsekulturen: +21 % bei Salat, +58 % bei Zwiebeln und bis zu +110 % bei Mangold (Frontiers in Plant Science 2025). Für Cannabis liegen noch keine spezifischen Feldstudien vor, aber die botanischen Prinzipien sind direkt übertragbar.
| Zutat | Menge | Funktion |
|---|---|---|
| Hochwertiger Wurmhumus (oder Bio-Kompost) | 2 Tassen (ca. 400 g) | Mikroben-Quelle |
| Unmelassierte Melasse | 40 ml (2 EL) | Nahrung für Bakterien |
| Haferflocken (fein gemahlen) | 20 g | Pilz-Nahrung (komplexe Kohlenhydrate) |
| Fischhydrolysat (oder Algenextrakt) | 10 ml | Aminosäuren, Spurenelemente |
| Huminsäure (optional) | 5 ml | Chelatbildner, Mikroben-Stimulans |
| Urgesteinsmehl (optional) | 20 g | Mineralien-Puffer |
| pH-neutrale Wasser (Chlorfrei) | 20 L | Basis |
| Belüftung | 2 Luftsteine + Pumpe (>20 L/min) | Sauerstoff (obligatorisch) |
1. Wasser vorbereiten: Leitungswasser 24 h stehen lassen (Chlor verflüchtigt sich) oder mit Entchlorer behandeln. 2. Belüftung starten: Pumpen und Luftsteine vor Zugabe des Komposts einschalten – Wasser muss mindestens 15 Min. vorbelüften. 3. Kompost einfüllen: Wurmhumus in einen Maschenbeutel (Filterbeutel 400 µm) geben – das verhindert Verstopfungen und erleichtert die Reinigung. 4. Nahrung zugeben: Melasse + Haferflocken + ggf. Fischhydrolysat direkt ins Wasser geben. 5. Brauen: 24–36 h bei 18–24 °C brauen. Wasser muss ständig in Bewegung sein – sichtbare Verwirbelung an der Oberfläche. 6. Qualitätscheck nach 24 h:
7. Abseihen: Durch feines Sieb (400 µm) in Gießkanne filtern.
Mit einem einfachen Mikroskop (400×–1000× Vergrößerung) kann die Qualität des Komposttees überprüft werden:
| Organismus | Ideale Dichte | Funktion im Boden | Sichtbar |
|---|---|---|---|
| Bakterien | 1–5 pro Gesichtsfeld (400×) | Nährstoff-Mineralisierung, Biofilmbildung | Kleine Punkte |
| Protozoen (Amöben, Flagellaten) | 1–3 pro Gesichtsfeld (400×) | Bakterien-Weide → N-Freisetzung für Pflanzen | Größere, bewegliche Zellen |
| Nützliche Nematoden | 1–2 pro 10 Gesichtsfelder | Parasitieren Pathogene, regulieren Bakterien | Lange, wurmartig |
| Fadenförmige Pilze (Hyphen) | Wenige dünne Fäden | Nährstoff-Transport, Bodenstruktur | Dünne Fäden |
Faustregel: Je abwechslungsreicher die Mikrofauna, desto besser.
Dosierung: 250 ml–1 L Konzentrat pro Liter Gießwasser (1:4 bis 1:10 verdünnt)
| Phase | Häufigkeit | Bemerkung |
|---|---|---|
| Vegetativ | 1× pro Woche | Fördert starkes Wurzelwachstum |
| Blüte (Woche 1–5) | 1× pro 1–2 Wochen | Unterstützt Nährstoffversorgung |
| Blüte (Woche 5–7) | Nicht empfohlen | Pilzrisiko bei dichten Buds |
| Nach der Ernte (Bodenpflege) | 1× | Bodenleben für nächsten Zyklus regenerieren |
Anwendungstipps:
Dosierung: 1:10 bis 1:20 verdünnt, fein zerstäuben
⚠️ Warnung: Bei Blattanwendung in der Blüte besteht erhöhtes Schimmelrisiko (Botrytis)! Insbesondere bei dichten Sativa-Hybrid-Buds kann eingeschlossene Feuchtigkeit zu Grauschimmel führen. AACT daher ab Blütewoche 5–6 nur noch als Wurzelanwendung einsetzen.
| Problem | Ursache | Lösung | |
|---|---|---|---|
| Fauliger Geruch | Sauerstoffmangel (Pumpe zu klein, Ausfall) | Verwerfen! Anaerobe Bakterien. | Neu ansetzen mit ausreichender Belüftung. |
| Kein Schaum nach 24 h | Wenig Mikroben (schlechter Kompost) | Tee = brauchbar, aber nicht optimal. Belüftung prüfen. | Besser Kompost verwenden (Wurmhumus). |
| Dickflüssig, schleimig | Zu viel Melasse → Milchsäuregärung | Verdünnen, sofort verbrauchen. | Melasse reduzieren (→ 1 EL pro 20 L). |
| Weiße Fäden/Matten | Schimmelpilze auf Oberfläche | → Verwerfen! Giftige Mykotoxine möglich. | Mehr Belüftung, sauberere Arbeitshygiene. |
| Tee riecht nach Hefe | Zu wenig Belüftung + zu viel Zucker | → Verwerfen. | Mehr Luft, weniger Melasse. |
| Abgestanden nach 48 h | Nährstoffe aufgebraucht | Tee max. 4 h nach Belüftungs-Ende verbrauchen. | Sofort ausbringen oder verdünnt gießen. |
Mehrere Studien der letzten Jahre bestätigen, dass belüfteter Komposttee (AACT) signifikant höhere Gehalte an aeroben Bakterien und Protozoen aufweist als nicht belüfteter Tee. Die mikrobielle Diversität ist bei AACT um 40–60 % höher (Horticulturae 2025, 11(4), 433).
Die Frontiers-Studie aus 2025 (Frontiers in Plant Science 2025) zeigte:
Pseudomonas, Massilia, SphingomonasFür Cannabis existieren bislang keine kontrollierten Peer-Review-Studien zu Komposttee. Anekdotische Evidenz aus der Grower-Gemeinschaft (Living-Soil-Foren, No-Till-Communities) zeigt jedoch konsistent positive Effekte auf:
Für einen zuverlässigen 20 L-Ansatz wird benötigt:
Kosten: 30–60 € für Anschaffung (einmalig); 1–3 € pro Tee-Ansatz (Betriebskosten).
Kann ich Komposttee mit Leitungswasser brauen? Ja, wenn das Wasser entchlort ist (24 h stehen lassen oder Entchlorer). Hohe Chlor-Gehalte töten die Mikroben ab.
Muss ich den Tee sofort verwenden? Ja – am besten innerhalb von 2 h nach Ende der Belüftung. Danach sinkt der Sauerstoffgehalt und die Mikrobendichte nimmt rapide ab.
Kann man Komposttee im Kühlschrank lagern? Kurze Lagerung (max. 12 h) im Kühlschrank ist möglich. Danach unbedingt ausbringen. Der Tee „lebt” und stirbt ohne Belüftung ab.
Ist Komposttee auch für Hydro/Coco geeignet? Nein – in Hydro-Systemen oder Coco mit mineralischen Düngern kann Komposttee das System verstopfen. Erstickende Mikroben in Nährlösungen schaffen anaerobe Zonen und begünstigen Pathogene.
Kann ich Komposttee überdosieren? Ja. Zu häufige Anwendung ohne aktives Bodenleben kann zu Sauerstoffzehrung und Nährstoff-Ungleichgewichten führen. 1× pro Woche ist das Maximum.
Schadet der Tee Nützlingen im Boden? Nein – die aeroben Bedingungen und die mikrobielle Vielfalt fördern auch Raubmilben, Springschwänze und andere Bodenlebewesen.
Stand: 2026-05-28 | Lizenz: CC-BY-NC-SA 4.0