Cannabidiol (CBD) kann die körperliche Ausdauer steigern – und zwar nicht direkt über die Muskulatur, sondern indirekt über eine Veränderung der Darmflora. Das zeigt eine südkoreanische Studie, die im Februar 2025 im Fachjournal Experimental & Molecular Medicine (Nature Publishing Group) veröffentlicht wurde. Die Forscher identifizierten mit Bifidobacterium animalis KBP-1 einen konkreten bakteriellen Verantwortlichen, der durch CBD gefördert wird und die Ausdauerleistung verbessert.
Autoren: Chen S (Si Chen), Lee YB (Yu-Bin), Song MY (Mi-Young), Lim C (Changjin), Cho H (Hwangeui), Shim HJ (Hyun Joo), Kim JS (Jong-Suk), Park BH (Byung-Hyun), Kim JK (Jeon-Kyung), Bae EJ (Eun Ju) (Jeonbuk National University, Jeonju, Republic of Korea)
Stand: 2026-06-02
Cannabidiol (CBD) ist das zweithäufigste Cannabinoid der Cannabispflanze und nicht psychoaktiv. Es wird bereits von zahlreichen Sportlern und Fitnesssportlern zur Regeneration eingesetzt, wurde 2018 von der WADA-Verbotsliste gestrichen und hat eine nachgewiesene anti-inflammatorische und schmerzlindernde Wirkung.
Ob und wie CBD die körperliche Ausdauerleistung beeinflusst, war jedoch bislang unklar. Klinische Studien am Menschen mit akuten CBD-Dosen (50–300 mg) zeigten keine signifikante Verbesserung der aeroben oder anaeroben Fitness. Die vorliegende Studie ging einen anderen Weg: Sie untersuchte den Einfluss von CBD auf das Darmmikrobiom als möglichen Mediator einer verbesserten Ausdauer.
Das Darmmikrobiom ist in den letzten Jahren zunehmend als wichtiger Faktor für sportliche Leistungsfähigkeit erkannt worden. Bestimmte Bakterien (z. B. Veillonella atypica bei Marathonläufern) können die Ausdauerleistung steigern, indem sie Metabolismen wie die Laktatverwertung oder die Glukoseproduktion beeinflussen.
Quelle: Nature – Volltext (Open Access) DOI: 10.1038/s12276-025-01404-5 PMCID: PMC11873264
Die Studie wurde an männlichen C57BL/6J-Mäusen (20 Wochen alt) durchgeführt. Die Versuchstiere wurden in drei Gruppen eingeteilt:
Gruppe 1 – CBD-Behandlung: - Orale Gabe von 30 mg CBD pro kg Körpergewicht (in Maisöl gelöst) täglich für 4 Wochen - Dosis abgeleitet aus früheren Studien mit nachweislich wirksamen Konzentrationen im nM- bis µM-Bereich
Gruppe 2 – CBD + Antibiotika: - CBD wie in Gruppe 1, plus Doxycyclin (40 mg/kg) zur Unterdrückung der durch CBD geförderten Darmbakterien - Ziel: Test, ob die CBD-Wirkung von intaktem Mikrobiom abhängt
Gruppe 3 – Bakterientransfer: - Orale Gabe des isolierten Stamms Bifidobacterium animalis KBP-1 (ohne CBD) für 4 Wochen - Ziel: Prüfung, ob allein dieses Bakterium die Ausdauer verbessern kann
Kontrollgruppe: - Reines Maisöl (Placebo)
Die Laufleistung wurde auf einem Laufband gemessen (Zeit bis zur Erschöpfung, Laufstrecke). Zudem erfolgten biochemische Analysen von Muskelgewebe (Gastrocnemius) und Genomsequenzierungen des Darmmikrobioms.
Mäuse, die vier Wochen lang CBD erhielten, zeigten eine signifikant verbesserte Ausdauer im Vergleich zur Kontrollgruppe: - Längere Laufstrecke bis zur Erschöpfung - Längere Zeit bis zur Erschöpfung - Die Muskeln (GAS) erwiesen sich als widerstandsfähiger gegen Ermüdung
Körpergewicht und Nahrungsaufnahme blieben unverändert – der Effekt war nicht auf Gewichtsveränderungen zurückzuführen.
CBD erhöhte den Anteil oxidativer (langsamer) Muskelfasern, die für die Ausdauerleistung entscheidend sind. Auf molekularer Ebene wurde eine gesteigerte mitochondriale Biogenese nachgewiesen: - Hochregulierung von PGC-1α (zentraler Regulator der Mitochondrien-Neubildung) - Erhöhung von phosphoryliertem CREB und AMPK (Schlüsselenzyme des mitochondrialen Stoffwechsels)
Der zentrale Befund der Studie: CBD veränderte die Zusammensetzung des Darmmikrobioms signifikant. Insbesondere der Anteil von Bifidobacterium animalis war nach der CBD-Behandlung deutlich erhöht. Um zu prüfen, ob diese Veränderung kausal für die verbesserte Ausdauer war, wurde einer zweiten Gruppe CBD + Doxycyclin verabreicht:
Ergebnis: Die ausdauersteigernde Wirkung von CBD wurde durch die Antibiotika-Behandlung vollständig aufgehoben. Dies zeigt, dass die Effekte auf das Mikrobiom und nicht auf eine direkte CBD-Wirkung auf die Muskulatur zurückgehen.
Die Forscher isolierten den durch CBD geförderten Bakterienstamm und bezeichneten ihn als KBP-1. Die alleinige Gabe von B. animalis KBP-1 (ohne CBD) für 4 Wochen führte ebenfalls zu: - Verbesserter Laufleistung - Erhöhter mitochondrialer Biogenese im Muskelgewebe
Die Genomanalyse von KBP-1 zeigte eine hohe Expression von Genen, die an: - Der Biosynthese verzweigtkettiger Aminosäuren (BCAAs) beteiligt sind - Der Expression von BCAA-Exportpumpen - Dem Stoffwechsel von Milchsäure (Laktat)
Dies deutet darauf hin, dass KBP-1 die Ausdauer verbessert, indem es dem Wirt verwertbare Substrate (BCAAs) bereitstellt und Laktat abbaut – beides Faktoren, die die Muskelermüdung hinauszögern.
| Parameter | Ergebnis |
|---|---|
| Laufleistung | CBD: + signifikant verbessert |
| Muskelfasern | Erhöhung oxidativer (ausdauernder) Fasern |
| Mitochondriale Biogenese | Gesteigert (PGC-1α, p-CREB, p-AMPK ↑) |
| Bifidobacterium animalis | Durch CBD erhöht |
| Antibiotika + CBD | Ausdauer-Effekt aufgehoben |
| B. animalis KBP-1 allein | Verbesserte Laufleistung wie CBD |
* Mechanistische Aufklärung: Erstmals wurde ein kausaler Zusammenhang zwischen CBD, Darmmikrobiom und Ausdauerleistung nachgewiesen * Kontroll-Design: Antibiotika-Versuch und Bakterientransfer belegen die Kausalität * Open Access: Vollständig öffentlich zugänglich (Nature-Artikel)
* Tierversuch: Die Ergebnisse wurden an Mäusen gewonnen – eine Übertragbarkeit auf den Menschen ist noch nicht belegt * Kleine Stichprobe: Die Forscher selbst weisen auf die begrenzte Verallgemeinerbarkeit hin * Dosis: 30 mg/kg CBD bei Mäusen entspricht beim Menschen einer hohen Dosis (ca. 2,4 mg/kg nach Allometrie – etwa 180 mg für 75 kg schwere Person) * Geschlecht: Nur männliche Mäuse wurden untersucht – geschlechtsspezifische Unterschiede sind nicht ausgeschlossen
Die Ergebnisse eröffnen eine vielversprechende Perspektive für CBD als präbiotisches Agens zur Leistungssteigerung. Sollten sich die Befunde in Humanstudien bestätigen, könnte CBD – oder direkt das Bakterium B. animalis KBP-1 – als natürliches, nicht-dopingrelevantes Mittel zur Verbesserung der Ausdauerleistung eingesetzt werden.
Die Studie unterstreicht zudem die enge Verbindung zwischen Darmmikrobiom und körperlicher Leistungsfähigkeit – ein Forschungsfeld, das in den kommenden Jahren voraussichtlich stark an Bedeutung gewinnen wird.
Für den Cannabiskonsum im Sport ergeben sich aus dieser Studie folgende Implikationen:
* CBD ist WADA-frei und könnte als legales Supplement zur Unterstützung der Ausdauerleistung dienen * Der Effekt scheint langfristig (≥4 Wochen) und über die Darmflora vermittelt – nicht akut * Vorsicht vor pauschalen Schlüssen: Es handelt sich um eine Mausstudie. Die Evidenz für Ausdauersteigerung beim Menschen durch CBD bleibt weiterhin widersprüchlich * Die Studie liefert einen möglichen Erklärungsansatz dafür, warum frühere Humanstudien mit akuten Dosen keine Ausdauersteigerung fanden: Der Effekt benötigt Zeit und ein intaktes Mikrobiom
Siehe auch: Cannabis und Sport – Wirkung, Regeneration & Doping
* Chen S, Lee YB, Song MY, Lim C, Cho H, Shim HJ, Kim JS, Park BH, Kim JK, Bae EJ (2025): Cannabidiol reshapes the gut microbiome to promote endurance exercise in mice. Experimental & Molecular Medicine. DOI: 10.1038/s12276-025-01404-5 | PMID: 39966566 | PMCID: PMC11873264 * Hanf Magazin (2026): Cannabidiol verbessert die körperliche Ausdauer. Link
* Cannabis und Sport – Wirkung, Regeneration & Doping * Das Endocannabinoid-System (ECS) * Cannabis und das Darmmikrobiom * Robertson et al. (2026) – CBD bei neuropathischen Schmerzen
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