Water use and productivity of Cannabis sativa L., KwaZulu-Natal Midlands, South Africa
Stand: 2026-05-28
Hintergrund
Südafrika steht vor einer akuten Wasserkrise. Die Landwirtschaft verbraucht 66 % der verfügbaren Wasserressourcen (DWS, 2021). Der National Water Act (No. 36 von 1998) schreibt vor, dass flächenbasierte Aktivitäten mit signifikantem Wasserverbrauch als Streamflow Reduction Activities (SFRA) reguliert werden müssen – doch bislang fehlten belastbare Felddaten für Cannabis sativa L. als mögliche SFRA.
Obwohl Hanf international als wasserintensive Pflanze gilt, gab es vor dieser Studie keine einzige peer-reviewte Publikation mit direkten Evapotranspirations(ET)-Messungen von Hanf in Südafrika, und international nur wenige Studien mit indirekten Methoden.
Ziele der Studie:
Erste direkte ET-Messungen von Hanf in Südafrika mittels Eddy-Covariance-System
Bestimmung des Crop Coefficient (Kc) nach FAO-56
Berechnung der Wasserproduktivität (kg Blüte pro m³ Wasser)
Bewertung, ob bewässerter Hanf als SFRA eingestuft werden muss
Methodik
Standort & Versuchsaufbau
Standort: 29°31'37“ S, 30°28'03” E – kommerzieller Farmbetrieb nahe Pietermaritzburg, KwaZulu-Natal, Südafrika
Fläche: 7 Hektar, aufgeteilt in drei Felder (Nord, Ost, Süd)
Pflanzdichte: 2.000 Pflanzen/ha – sehr geringe Dichte (2 m × 2,5 m Reihenabstand), gewählt zur Vermeidung von Krankheitsausbreitung aus früheren Saisons
Sorten:
Pflanzung: Ende November 2022 (Vorkultivierung im Gewächshaus)
Ernte: April 2023
Bewässerung: Drip-Irrigation (Tropfschlauch, 5 cm vom Stamm), Fertigation über Bewässerungsleitungen
Management: Topping (Kappung des Apex) ab 1 m Höhe zur Förderung der Verzweigung und Blütenbildung im Südfeld
Jede 5. Reihe als unbepflanzter Fahrweg gelassen
Messsysteme
Das Kernstück war ein Eddy-Covariance (EC)-System (EC150 EasyFlux, Campbell Scientific), installiert auf einem Gittermast im Südfeld:
| Instrument | Messgröße | Hersteller |
| EC150 CO₂/H₂O Open-Path Gas Analyser | CO₂-/H₂O-Fluss | Campbell Scientific |
| CSAT3A 3D-Sonic Anemometer | Turbulenz, Windvektor | Campbell Scientific |
| CNR4 Net Radiometer | Netto-Strahlung (kurz-/langwellig) | Kipp & Zonen |
| HC2S3 Temp./Feuchte-Sensor | Temperatur, rel. Feuchte | Campbell Scientific |
| TE525 Tipping Bucket Regenmesser | Niederschlag | Texas Instruments |
| CS616 Water Content Reflectometer | Bodenfeuchte (VWC) | Campbell Scientific |
| HFP01 Soil Heat Flux Plate | Bodenwärmestrom | Hukseflux |
| FW1 Fine Wire Thermocouple | Hochfrequente Lufttemperatur | Campbell Scientific |
| TCAV Thermoelemente | Mittlere Bodentemperatur | Campbell Scientific |
| LAI-2200C Plant Canopy Analyzer | Blattflächenindex (LAI) | Licor |
Messkonfiguration:
EC-System auf 2 m über Kronendach, Fetch ≥ 100 m in Hauptwindrichtung
Abtastrate: 10 Hz, gemittelt auf 30-Minuten-Intervalle
Standard-Koordinatenrotation und Korrekturen (Campbell Scientific, 2018)
Bodenfeuchte in 5, 12, 25 und 45 cm Tiefe
Mikrometeorologische Daten aller 5 s (langsame Sequenz)
Niederschlagsdaten: 3-wöchige Lücke durch eine 16 km entfernte Station ergänzt (R² = 0,82)
Referenz-ET₀ nach FAO-56 Penman-Monteith berechnet
Messzeitraum: 7. Dezember 2022 – 15. April 2023
Ergebnisse
Evapotranspiration (ET)
| Parameter | Wert |
| Saisonale ET gesamt | 377 mm |
| Durchschnittlicher Tages-ET | 2,94 mm/Tag (bzw. 28,4 L/Pflanze) |
| Kumulierte Niederschläge (Saison) | 139 mm |
| Bewässerungsmenge | kumuliert 450 mm (berechnet aus ET+Abfluss) |
| Mittlere Lufttemperatur | 20,6 °C (max 36,7 °C, min 5,3 °C) |
Tagesgang: Typisch war ein Anstieg der ET ab Sonnenaufgang mit einem Maximum zwischen 11:00 und 14:00 Uhr (Spitzenwerte bis 4,5–5 mm/Tag). Die geringe Pflanzdichte (2000 Pfl./ha) führte zu einem hohen Anteil an Bodenverdunstung (E) im Verhältnis zur Transpiration (T), was die relativ hohe ET pro Fläche mit erklärt.
Crop Coefficient (Kc)
Mittlerer Kc über die Saison: 0,74 (Spanne 0,73–0,77)
Kc-Verlauf: Anstieg von ~0,6 (Jungpflanzenstadium) auf ~0,9 (maximale vegetative Entwicklung), Abfall auf ~0,6 in der späten Blütephase
Im Vergleich: Literatur-Kc für Hanf (FAO-56 standard): Keine Angabe – Pereira et al. (2021) fanden in ihrem Review keine einzige Kc-Publikation für Hanf
Wasserproduktivität
| Parameter | Wert |
| Blütenertrag | k. A. (geschätzt auf Basis Pflanzenzahl) |
| Wasserproduktivität | 0,96 kg Frischblüte / m³ Wasser |
| Wasserproduktivität (Trockenmasse) | Im Vergleich internationaler Studien: niedriger |
Einordnung der Wasserproduktivität:
Internationale Hanf-Studien berichten 1,0–3,8 kg/m³ (Schnitt-/Faserhanf)
Die niedrige Produktivität in dieser Studie wird auf die sehr geringe Pflanzdichte (2000 vs. üblich 20.000–60.000 Pfl./ha bei Faserhanf) zurückgeführt
Ein hoher Anteil der ET geht auf Bodenverdunstung zurück, da der Boden zwischen den Reihen lange unbeschattet blieb
Bodenfeuchte & Pflanzenparameter
Der volumentrische Wassergehalt (VWC) in 5 cm Tiefe schwankte zwischen 0,1 und 0,38 m³/m³
In 45 cm Tiefe: relativ konstant ~0,25–0,30 m³/m³ – kein Wasserstress feststellbar
LAI (Blattflächenindex): 0,5 (Jan.) → 3,5 (Feb.) → Rückgang auf ~1,5 (April)
Pflanzenhöhe: bis ca. 1,8 m (Südfeld, durch Topping begrenzt)
Bedeutung & Implikationen
Für die Wasserwirtschaft (SFRA)
Die südafrikanische Regierung benötigt ET-Daten, um zu entscheiden, ob Hanf als Streamflow Reduction Activity eingestuft wird. Mit einer saisonalen ET von 377 mm liegt Hanf in einer Größenordnung, die eine Prüfung als SFRA rechtfertigt – vergleichbar mit Eukalyptus-Plantagen, aber niedriger als Zuckerrohr.
Wichtig: Die gemessene ET von 377 mm ist niedriger als viele vorherige Annahmen (bis zu 700 mm), allerdings bei sehr geringer Pflanzdichte. Bei höheren Pflanzdichten (20.000+ Pfl./ha) wäre mit deutlich höherer ET zu rechnen. Die Einstufung als SFRA hängt daher stark von der Anbaumethode ab.
Für Anbauer & Bewässerungsmanagement
Tropfbewässerung ist essentiell für wassereffizienten Hanfanbau in Südafrika
Höhere Pflanzdichten verbessern die Wasserproduktivität durch reduzierte Bodenverdunstung
Die Kc-Werte (0,73–0,77) können als Grundlage für präzise Bewässerungsplanung nach FAO-56 dienen
Für kleine »Emerging Farmers« im ländlichen KwaZulu-Natal ist die Wirtschaftlichkeit bei diesem Wasserverbrauch kritisch zu prüfen
Wissenschaftliche Einordnung
Dies ist die erste Studie weltweit, die Hanf-ET mittels Eddy-Covariance gemessen hat – dem Goldstandard der ET-Messung. Bisherige Studien nutzten indirekte Methoden (Class-A-Pan, Sap-Flow, Fernerkundung), deren Validierung oft fehlte.
Methodische Stärken:
Direkte, nicht-invasive Messung bei hoher zeitlicher Auflösung
Berücksichtigung aller ET-Komponenten (E + T)
Validierte Korrekturverfahren
Limitationen:
Nur eine Saison an einem Standort
Geringe Pflanzdichte (2000 Pfl./ha) – nicht repräsentativ für kommerzielle Hanfproduktion
Nur ein Feld mit EC-Messung (keine Replikation)
Drei Wochen Niederschlagsdaten extern ergänzt
Zitierte Referenzen
Allen RG et al. (1998) – FAO-56: Crop Evapotranspiration. FAO Irrigation and Drainage Paper No. 56
Bajić et al. (2022) – Hemp ET measurements in Serbia (Class-A Pan)
Cosentino et al. (2013) – Hemp ET in semi-arid Mediterranean climate: 320 mm
Pereira et al. (2021) – Updated FAO-56 crop coefficients review – keine Kc für Hanf
Thevs & Aliev (2022) – Hemp transpiration in Kazakhstan: 353 mm (Sap-Flow)
Thevs & Nowotny (2023) – Hemp ET in Germany: 343 mm (S-SEBI remote sensing, 4 Jahre)
Quellen
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Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0 | Quelle: Open-Access-Publikation (Journal of Cannabis Research)