Polen hat eine der strengsten Cannabis-Gesetze Europas für den Freizeitkonsum, gleichzeitig aber einen der am schnellsten wachsenden medizinischen Cannabis-Märkte der EU. Seit der Legalisierung von medizinischem Cannabis im November 2017 hat sich das Land zu einem der größten Patientenmärkte Kontinentaleuropas entwickelt. Dieser Artikel fasst die aktuelle Rechtslage, das medizinische Programm und die Entwicklungen 2026 zusammen.
Stand: 2026-06-03
⚠️ Wichtiger Hinweis: Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung. Alle Angaben ohne Gewähr. Bei Reisen mit Cannabis oder medizinischen Produkten immer die aktuellen Regelungen des Ziellandes prüfen.
→ 🇪🇺 Cannabis in Europa – Rechtslage im Vergleich → 🇩🇪 Deutschland – CanG 2024
Cannabis ist in Polen für den Freizeitkonsum illegal. Besitz, Anbau und Handel sind grundsätzlich strafbar. Seit dem 1. November 2017 ist medizinisches Cannabis jedoch auf Rezept (Rpw) legal und in Apotheken erhältlich.
| Bereich | Status |
|---|---|
| Freizeitkonsum | ❌ Illegal – kein Adult-Use-Modell |
| Medizinisches Cannabis | âś“ Legal auf Rezept (seit November 2017) |
| Besitz (geringe Menge, eigenbedarf) | ⚠️ Illegales Vergehen – Einstellung möglich (§ 62a) |
| Besitz (erhebliche Menge) | ❌ Strafbar – bis zu 10 Jahre Haft |
| Eigenanbau | ❌ Streng verboten |
| CBD/ Hanfprodukte | âś“ Legal (THC < 0,2 %) |
| Straßenverkehr | ❌ Null-Toleranz (0,00 ng/ml THC) |
Quelle: UNODC – Act on Counteracting Drug Addiction (2005, engl. Übersetzung)
Das polnische Cannabis-Recht basiert auf dem Gesetz zur Bekämpfung der Drogensucht (Ustawa o przeciwdziałaniu narkomanii) vom 29. Juli 2005 (Dt. U. 2005 Nr. 179 Pos. 1485). Es klassifiziert Cannabis als kontrollierte Substanz und regelt sowohl Straftatbestände als auch die medizinische Ausnahme.
| Paragraph | Regelung | Strafe |
| ———– | ———- | ——– |
| Art. 62 Abs. 1 | Besitz von Betäubungsmitteln | Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren |
| Art. 62 Abs. 2 | Besitz einer erheblichen Menge | Freiheitsstrafe bis zu 10 Jahren |
| Art. 62a | Einstellungsmöglichkeit bei geringen Mengen für Eigenbedarf | Einstellung des Verfahrens (Ermessen der Staatsanwaltschaft) |
| Art. 63 | Anbau von Cannabis (auĂźer Faserhanf) | Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren (bei erheblicher Menge bis zu 10 Jahre) |
| Art. 59 | Weitergabe/Handel | Freiheitsstrafe bis zu 10 Jahren (bei Minderjährigen bis zu 15 Jahren) |
Quelle: Wikipedia – Cannabis in Poland
Der Besitz von Cannabis (auch geringer Mengen) ist in Polen grundsätzlich strafbar. Es gibt keine festgelegte legale Besitzmenge – anders als in Deutschland (25 g öffentlich) oder Tschechien (25 g öffentlich, 100 g zuhause).
Drei Stufen der Strafverfolgung:
1. Kleine Menge für Eigenbedarf (§ 62a): Die Staatsanwaltschaft kann das Verfahren einstellen, wenn es sich um eine geringe Menge (nieznaczna ilość) für den Eigenbedarf handelt und eine Bestrafung unzweckmäßig erscheint. Dies ist Ermessenssache – es gibt keinen Rechtsanspruch darauf. Die Auslegung variiert regional stark.
2. Standard-Besitz (§ 62 Abs. 1): Bis zu 3 Jahren Freiheitsstrafe. In der Praxis enden viele Verfahren mit Geldstrafen, Bewährungsstrafen oder gemeinnütziger Arbeit.
3. Erhebliche Menge (§ 62 Abs. 2): Bei Besitz einer znaczna ilość (erhebliche Menge) drohen bis zu 10 Jahre Haft. Was eine erhebliche Menge darstellt, ist nicht gesetzlich fixiert, sondern wird durch die Rechtsprechung bestimmt. In der Regel gelten Mengen ab mehreren Dutzend Gramm als erheblich.
Statistik (2024): Die polnische Polizei registrierte 2024 insgesamt 26.174 Drogendelikte, von denen mehr als die Hälfte reine Besitzdelikte betrafen (Quelle: Komenda Główna Policji – Statystyki 2024)).
Der Anbau von Cannabis (auch für den Eigenbedarf) ist in Polen unter allen Umständen illegal und strafbar (§ 63 des Gesetzes). Anders als in Deutschland, wo der private Eigenanbau von bis zu 3 Pflanzen seit April 2024 legal ist, droht in Polen bereits bei einer einzigen Pflanze eine Strafverfolgung.
Strafrahmen Anbau: * Grundtatbestand: Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren * Bei erheblicher Menge: Freiheitsstrafe bis zu 10 Jahren
Eine Ausnahme besteht nur für Faserhanf (THC < 0,2 %), der zu landwirtschaftlichen Zwecken angebaut werden darf.
Die Weitergabe von Cannabis – auch ohne Gewinnerzielungsabsicht – ist in Polen strafbar und wird als Verstoß gegen § 59 des Gesetzes gehandelt. Die Weitergabe an Minderjährige ist ein besonders schwerer Fall.
Am 1. November 2017 trat in Polen eine historische Gesetzesänderung in Kraft, die medizinisches Cannabis legalisierte. Damit wurde Cannabis als pharmazeutischer Rohstoff für Rezepturarzneimittel zugelassen. Polen war damit das zweite Land in Mittelosteuropa (nach Tschechien 2013), das medizinisches Cannabis erlaubte.
Der polnische Medizinalcannabis-Markt hat sich rasant entwickelt:
Patientenzahlen und Marktvolumen: * Patienten: Schätzungsweise 120.000–150.000 aktive Patienten pro Jahr (Stand Mai 2026) * Verschreibungen: Über 200 aktive Cannabis-Kliniken und Praxen im ganzen Land * Abgegebene Menge: Ca. 5.450 kg getrocknete Cannabisblüten im Jahr 2025 – ein Anstieg von 12 % gegenüber 2024 * Monatliche Abgaben: Haben bis Dezember 2025 das Niveau vor der Telemedizin-Einschränkung wieder erreicht
Verschreibung:
* Ärzte können medizinisches Cannabis für jede Indikation verschreiben, bei der sie es für klinisch angemessen halten – es gibt keine festgelegte Liste qualifizierender Erkrankungen
* Die Verschreibung erfolgt auf einem speziellen Rezeptformular (Rpw – recepta weterynaryjna – in der Praxis jedoch ein normales Rezept mit besonderen Kennzeichnungen für Betäubungsmittel)
* Seit November 2024 ist eine persönliche ärztliche Untersuchung vor der Erstverschreibung erforderlich (siehe 4.3)
Verfügbare Produkte: * Getrocknete Cannabisblüten (Import aus Kanada, Portugal, Nordmazedonien u.a.) * Cannabisöle * Fertigarzneimittel wie Sativex (Nabiximols) für MS-Spastik
Wichtige zugelassene Importmarken:
| Hersteller | Herkunft | Sorten |
| ———– | ———- | ——– |
| Cantourage | Deutschland/Kanada | Diverse Sorten |
| Aurora | Kanada/Dänemark | Pedanios-Serie u.a. |
| Tilray | Kanada/Portugal | Diverse Sorten |
| Cosma | Polen/EU | Inländische Produktion |
Die Einschränkung (November 2024): Der polnische Gesetzgeber reagierte auf den Boom privater Telemedizin-Plattformen, die Cannabisrezepte nach Online-Konsultationen ausstellten. Ab dem 7. November 2024 trat eine Gesetzesänderung in Kraft, die für die Erstverschreibung von Betäubungsmitteln (inkl. Cannabis) eine persönliche ärztliche Untersuchung vorschrieb.
Auswirkungen: * Die monatlichen Verschreibungszahlen fielen innerhalb weniger Wochen um mehr als 50 % * Viele Telemedizin-Plattformen stellten ihren Betrieb vorübergehend ein oder passten ihre Modelle an * Der Markt konsolidierte sich – kleinere Anbieter verschwanden
Erholung (2025/2026): * Bis Mitte 2025 hatten sich die meisten Kliniken an die neuen Regeln angepasst * Die monatlichen Abgaben erreichten bis Dezember 2025 wieder das Niveau vor der Einschränkung * Der Markt wächst seither kontinuierlich weiter * Die Episode gilt als wichtiger Referenzfall für andere EU-Länder (Deutschland, UK, Tschechien), die ähnliche Debatten über Telemedizin und Cannabis führen
Medizinisches Cannabis wird in Polen nicht von der Krankenkasse (NFZ) erstattet. Patienten müssen die Kosten vollständig selbst tragen:
| Produkttyp | Preis (ca.) |
| ———— | ————- |
| Cannabisblüten (Apotheke) | 50–100 PLN pro Gramm (ca. 11–23 €) |
| Cannabisöl | 100–300 PLN pro Flasche |
| Sativex (Mundspray) | Ca. 600–800 PLN pro Packung |
Vergleich Deutschland (2026): In Deutschland liegen die Preise für medizinisches Cannabis bei 3–8 €/g (14–37 PLN/g) – also deutlich günstiger, teilweise sogar mit GKV-Erstattung bei schweren Erkrankungen.
CBD-Produkte mit einem THC-Gehalt von maximal 0,2 % sind in Polen legal als Nahrungsergänzungsmittel, Kosmetika oder technische Produkte erhältlich.
Wichtige Regelungen:
* CBD darf nicht mit gesundheitsbezogenen Angaben beworben werden
* Die Kennzeichnung muss klarstellen, dass es sich nicht um ein Arzneimittel handelt
* Der THC-Gehalt muss deklariert sein
* CBD-Blüten (suszone kwiaty konopi) sind in einer rechtlichen Grauzone – der Verkauf als Sammlerstück oder zu technischen Zwecken ist verbreitet, aber nicht eindeutig legal
* Die EU- Novel-Food-Regulierung betrifft auch CBD-Produkte in Polen: Produkte, die als Lebensmittel vermarktet werden, benötigen eine Zulassung nach der Novel-Food-Verordnung. Die polnischen Behörden haben die Durchsetzung verstärkt.
Die polnische Drogenpolitik ist – trotz der strikten Gesetzeslage – in der Praxis von erheblichem Ermessensspielraum geprägt:
Verfahrenseinstellung nach § 62a: Die Staatsanwaltschaft kann das Verfahren bei geringen Mengen für den Eigenbedarf einstellen. Voraussetzungen sind: * Geringe Menge (keine gesetzliche Fixierung – in der Regel <5–10 g) * Keine gewerbsmäßige oder bandenmäßige Begehung * Keine Vorstrafen (insb. keine einschlägigen) * Der Täter ist nicht als „gefährlich“ einzustufen
In der Praxis variiert die Anwendung dieser Vorschrift erheblich zwischen den Regionen und selbst zwischen einzelnen Staatsanwälten. In Großstädten wie Warschau, Krakau oder Breslau ist die Quote der Verfahrenseinstellungen tendenziell höher als in ländlichen oder konservativeren Regionen.
Strafpraxis:
* Bei Ersttätern mit geringen Mengen: In der Regel Geldstrafe (grzywna) oder gemeinnützige Arbeit (ograniczenie wolności)
* Bei Wiederholungstätern: Bewährungsstrafe (kara pozbawienia wolności z warunkowym zawieszeniem)
* Bei erheblichen Mengen oder Handelsabsicht: Freiheitsstrafe ohne Bewährung
Statistik: Tausende von Verfahren werden jährlich nach § 62a eingestellt. Die genauen Zahlen variieren, aber Schätzungen gehen von einer Einstellungsquote von 30–50 % bei reinen Besitzdelikten mit geringen Mengen aus.
Polen praktiziert eine Null-Toleranz-Politik im Straßenverkehr. Jeder nachweisbare THC-Gehalt im Blut oder Speichel ist strafbar – es gibt keinen Grenzwert wie in Deutschland (3,5 ng/ml).
Rechtsfolgen: * Ordnungswidrigkeit oder Straftat, je nach Menge und Ausfallerscheinungen * Führerscheinentzug * Geldstrafe (mindestens 1.000 PLN) oder Freiheitsstrafe * Bei Wiederholung: Höhere Strafen und längere Sperrfristen
Wichtig für Reisende: Selbst geringste THC-Spuren (z. B. durch Konsum in Deutschland einige Tage zuvor) können bei einer Polizeikontrolle in Polen zu einem positiven Schnelltest führen. Medizinalcannabis-Patienten mit deutschem Rezept müssen besonders vorsichtig sein – die Schengen-Bescheinigung des BfArM gilt zwar formal, aber die polnische Polizei ist oft nicht ausreichend geschult, um diese zu akzeptieren.
→ Siehe auch: Cannabis auf Reisen → Siehe auch: Cannabis & Straßenverkehr
Aktuelle politische Lage (2026): * Die polnische Regierungskoalition unter Premierminister Donald Tusk (Bürgerkoalition) verfolgt keine Pläne zur Legalisierung von Cannabis für den Freizeitgebrauch * Es gibt keine Gesetzesinitiative im polnischen Parlament (Sejm) zur Einführung eines Adult-Use-Modells * Die politische Balance nach den Parlamentswahlen 2023 hat keine Mehrheit für eine Legalisierung hervorgebracht
Medizinalcannabis-Ausbau: Der Fokus liegt auf dem weiteren Ausbau des medizinischen Programms: * Inländische Produktion: Polnische Unternehmen wie Cosma, Polfamed und Konopharma haben Produktionslinien aufgebaut, um die Abhängigkeit von Importen zu reduzieren * Preisdruck: Mit steigendem Wettbewerb sinken die Preise – von 15–20 €/g (2021) auf 11–23 €/g (2026), aber immer noch deutlich über dem deutschen Niveau * Aufklärung: Die Stigmatisierung von Cannabinoid-Therapien in der polnischen Ärzteschaft bleibt eine der größten Hürden
Langfristige Perspektive: * Eine Legalisierung des Freizeitkonsums ist kurz- bis mittelfristig nicht absehbar * Der medizinische Markt wird voraussichtlich weiterwachsen * Polen bleibt für internationale Cannabis-Unternehmen ein wichtiger Markt – insbesondere als Referenzfall für den Umgang mit Telemedizin-Einschränkungen * Sollte Deutschland Säule 2 (kommerzielle Modellprojekte) umsetzen, könnten die Erfahrungen aus Polen als Blaupause für regulierte medizinische Märkte dienen
| Kriterium | 🇵🇱 Polen | 🇩🇪 Deutschland | 🇨🇿 Tschechien |
|---|---|---|---|
| Freizeitkonsum | ❌ Illegal | ✓ Legal (CanG 2024) | ✓ Legal (seit Jan. 2026) |
| Eigenanbau | ❌ Streng verboten | ✓ 3 Pflanzen | ✓ 3 Pflanzen |
| Besitz (öffentlich) | Strafbar (Ermessen bei <5–10 g) | 25 g legal | 25 g legal |
| Besitz (zuhause) | Strafbar | 50 g legal | 100 g legal |
| Medizinisches Cannabis | âś“ Seit 2017 | âś“ Seit 2017 (erleichtert 2024) | âś“ Seit 2013 |
| THC-Grenzwert Verkehr | 0,00 ng/ml (Null-Toleranz) | 3,5 ng/ml | 0,00 ng/ml |
| Telemedizin-Rezepte | Grundsätzlich nein (persönliche Untersuchung nötig) | Ja (Novelle in Diskussion) | Ja |
| CBD-Produkte | ✓ <0,2 % THC | ✓ <0,2 % THC | ✓ <0,2 % THC |
* UNODC – Act on Counteracting Drug Addiction (2005, engl. Übersetzung) * Cannabis Europa – Is Cannabis Legal in Poland? 2026 Guide * uBucha – Medical Marijuana in Poland: Progress and Barriers 2026 * uBucha – Possession of Marijuana in Poland 2026 * Criminal Law Poland – Marijuana Laws in Poland 2026 * Komenda Główna Policji – Polizeiliche Kriminalstatistik * Wikipedia – Cannabis in Poland (Legal Framework) * Prohibition Partners – Cannabis Telemedicine: Poland's Market Crash and Recovery (2026) * Wikipedia – Cannabis als Arzneimittel