Cannabinol (CBN) ist ein nicht-psychoaktives Cannabinoid, das erstmals 1896 entdeckt wurde – noch vor THC und CBD. Es entsteht als Abbauprodukt von THC durch Oxidation (Luft, Wärme, Licht) und reichert sich daher in gealtertem Cannabis an. In den letzten Jahren (2023–2026) hat CBN enormes wissenschaftliches und kommerzielles Interesse gewonnen, insbesondere als potentielles Schlafmittel.
Stand: 2026-05-23
CBN (C₂₁H₂₆O₂, Molare Masse: 310,43 g/mol) entsteht aus THC durch Oxidation und Dehydrierung:
THC → (Hitze, Licht, O₂) → CBN
Dieser Prozess läuft bei Raumtemperatur langsam ab, wird aber durch Wärme, UV-Licht und Sauerstoff exponentiell beschleunigt. Unter ungünstigen Bedingungen kann innerhalb von 12–24 Monaten ein signifikanter Teil des THCs in CBN umgewandelt sein (Zamengo et al., 2019). Der genaue Zeitraum hängt stark von Temperatur, Lichteinfall und Sauerstoffzugang ab.
Eigenschaften:
Arnold et al. (2024) – Neuropsychopharmacology: CBN sleep architecture in rats
CBN bindet an den CB1-Rezeptor, jedoch mit etwa 10–25× geringerer Affinität als THC. Die genaue Wirkung ist umstritten: - Einige Studien zeigen schwache partiale Agonist-Aktivität (ähnlich THC, aber stark abgeschwächt) - Andere Studien (z. B. Kundu et al. (2025) – J Med Chem) finden nahezu keine Aktivität am humanen CB1-Rezeptor
Dies erklärt, warum CBN bei Menschen in klinischen Studien keine berauschende Wirkung zeigt – ein entscheidender Vorteil gegenüber THC als Therapeutikum.
CBN aktiviert mehrere TRP (Transient Receptor Potential)-Kanäle:
Der Volksmund bezeichnet CBN seit Jahrzehnten als „das Schlaf-Cannabinoid“. Erst jetzt liefert die Wissenschaft belastbare Daten:
Arnold et al. (2024) – Neuropsychopharmacology (Nature)
Bedeutung: Dies erklärt, warum frühere In-vitro-Studien widersprüchliche CB1-Aktivität zeigten – CBN wirkt erst nach Metabolisierung im Körper.
Lindquist et al. (2024) – SLEEP Annual Meeting
Bonn-Miller, M. O. et al. (2024) – Exp Clin Psychopharmacol
CBN zeigt antibakterielle Aktivität gegen MRSA (Methicillin-resistenter *Staphylococcus aureus*), ähnlich wie andere Cannabinoide. Die Wirkung ist dosisabhängig und betrifft sowohl Gram-positive als auch Gram-negative Bakterien.
Im Gegensatz zu THC steigert CBN den Appetit nicht (anders als häufig behauptet). Manche Studien deuten sogar auf eine leicht appetithemmende Wirkung hin.
CBN gilt als sehr gut verträglich:
| Nebenwirkung | Häufigkeit |
|---|---|
| Müdigkeit / Benommenheit | Häufig (erwünscht bei Schlafanwendung) |
| Mundtrockenheit | Selten |
| Schwindel | Selten |
| Übelkeit | Selten (nur bei hohen Dosen) |
| Rausch („High“) | Nicht beobachtet bei ≤ 300 mg oral |
Wechselwirkungen:
| Cannabinoid | Psychoaktivität | Schlaffördernd | Schmerz | Entzündungshemmend |
|---|---|---|---|---|
| THC | Stark | Ja (indirekt) | Ja | Ja |
| CBD | Nein | Wenig (eher wachhaltend) | Ja (indirekt) | Stark |
| CBN | Keine/kaum | Ja (direkt) | Potentiell | Ja |
| CBG | Nein | Unklar | Potentiell | Stark |
→ THC, CBD & CBG – Der große Cannabinoid-Vergleich → Entourage-Effekt
CBN ist in den meisten Ländern nicht explizit reguliert, fällt aber in vielen Jurisdiktionen unter die gleichen Regeln wie THC (da es aus THC entsteht bzw. als THC-Derivat betrachtet wird).
Deutschland (CanG 2024):
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