SCROG (Screen of Green) ist eine der effektivsten Trainingsmethoden für den Indoor-Cannabisanbau. Durch ein horizontal gespanntes Gitternetz werden die Pflanzen zu einem flachen, gleichmäßigen Kronendach erzogen – jeder Blütenstand erhält direktes Licht und entwickelt sich zur “Top-Cola”. Das Ergebnis: maximale Ausbeute pro Quadratmeter bei minimaler Pflanzenanzahl.
Stand: 2026-06-08 | Neu erstellt
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Das Prinzip ist einfach: Ein Gitternetz wird horizontal zwischen Pflanzen und Lichtquelle gespannt. Die Triebe werden während der vegetativen Phase systematisch durch das Netz geflochten und nach außen geleitet. Dadurch entsteht ein dichtes, horizontales Canopy (Kronendach), bei dem jeder Trieb gleichmäßig beleuchtet wird.
Im Gegensatz zu ungetrailten Pflanzen, die eine einzelne Hauptcola mit kleinen Seitenbuds bilden, produziert eine SCROG-Pflanze ein gleichmäßiges Feld dicker, harziger Blüten auf einer Ebene. Die Methode wurde in den 1990er-Jahren in den Niederlanden populär und hat sich seither als Standard für ertragsorientierte Indoor-Grows etabliert.
Quelle: Sensi Seeds – Screen of Green (SCROG): more bang for your bud (2026)
| Vorteil | Erklärung |
|---|---|
| Maximale Lichtausbeute | Jeder Bud-Spot erhält direkte Beleuchtung – keine verschatteten unteren Buds |
| Höherer Ertrag | 15–30 % mehr Ertrag im Vergleich zu ungetrailten Pflanzen derselben Fläche |
| Gleichmäßige Bud-Qualität | Kaum Popcorn-Buds – fast alle Blüten erreichen Top-Qualität |
| Kompakte Höhe | Ideal für begrenzte Zelt-Höhen (insbesondere bei Sativa-dominanten Sorten) |
| Weniger Pflanzen nötig | 1–4 Pflanzen pro m² reichen aus (im Gegensatz zu 9–16 bei SOG) |
| Bessere Luftzirkulation | Freier Raum unter dem Netz reduziert Schimmelrisiko |
| Nachteil | Erklärung |
|---|---|
| Längere Vegi-Phase | 3–8 Wochen vegatatives Wachstum nötig, bis das Netz gefüllt ist |
| Höherer Pflegeaufwand | Regelmäßiges Flechten und Binden während der gesamten Vegi-Phase |
| Nicht für Autoflowering | Der kurze Lebenszyklus von Autos erlaubt keine ausreichende Netzbefüllung |
| Netz-Reinigung | Nach jedem Durchlauf muss das Netz gereinigt oder ersetzt werden |
| Zugänglichkeit | Nach dem Schließen des Netzes sind die unteren Pflanzenbereiche schwer erreichbar |
Nicht jede Cannabissorte eignet sich gleich gut für SCROG:
Empfohlene Sorten: Skunk #1, Super Skunk, Afghani #1, Northern Lights, Silver Haze (alle mit gleichmäßigem Wuchs und moderater Blütezeit).
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das SCROG-Netz zu realisieren:
| Netztyp | Material | Maschenweite | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|---|
| Kunststoffnetz (PVC/Nylon) | Vorgefertigt, 10–15 cm Maschen | Günstig, wiederverwendbar | Kann bei Hitze ausleiern | |
| Metallgitter (Kükengitter) | Verzinkter Draht, 10×10 cm | Sehr stabil, langlebig | Rostgefahr; scharfe Kanten | |
| Selbstgebaut (Schnüre) | Hanfschnur / Wäscheleine | Individuell anpassbar | Höherer Aufbauaufwand | |
| Trellis Net (elastisch) | Elastisches Nylon, 15×15 cm | Einfach aufzuspannen | Nur 1–2 Durchläufe haltbar |
Empfehlung: Für Einsteiger ist ein vorgefertigtes Kunststoffnetz oder ein elastisches Trellis-Netz am praktischsten. Das Netz muss nach jedem Grow gründlich gereinigt oder ersetzt werden, um Schimmelsporen zu entfernen.
| Genetik | Netzhöhe über Topf |
|---|---|
| Indica-dominant | 15–25 cm |
| Hybrid (ausgeglichen) | 25–35 cm |
| Sativa-dominant | 35–50 cm |
| Haze / Thai-Landrassen | bis 60 cm |
| Anbaufläche | Optimale Pflanzenzahl | Topfgröße |
|---|---|---|
| 60×60 cm | 1 Pflanze | 11–15 L |
| 80×80 cm | 1–2 Pflanzen | 11–15 L |
| 100×100 cm | 2–4 Pflanzen | 11–18 L |
| 120×120 cm | 3–4 Pflanzen | 15–20 L |
Faustregel: 1–4 Pflanzen pro m², je nach gewünschter Vegi-Dauer und Genetik.
Die Vegi-Phase ist bei SCROG die entscheidende Phase. Hier wird das Fundament für die Ernte gelegt.
1. Netz auf der Zielhöhe spannen (vor dem Einziehen der Pflanzen) 2. Pflanzen eintopfen und nach 5–10 Tagen Erholung mit dem Training beginnen 3. Lichtzyklus 18/6 (oder 20/4, je nach Vorliebe)
Sobald die Pflanzen das Netz erreichen (ca. 20–25 cm Höhe):
1. Topping der Haupttriebe: Entferne die Spitze des Haupttriebs, um mehrere gleichberechtigte Seitentriebe zu fördern (→ Topping) 2. Durch das Netz flechten: Führe die Haupttriebe systematisch durch die Maschen, beginnend von der Mitte nach außen 3. Fixieren: Jeder Trieb wird mit Pflanzenbinder locker am Netz fixiert 4. Nach unten drücken: Blätter und kleine Triebe, die durch das Netz stoßen, vorsichtig zurück unter das Netz schieben. Nur die obersten 3–5 cm jedes Triebs sollten über dem Netz sein. 5. Wöchentliche Neupositionierung: Alle 3–5 Tage neue Triebe umleiten
Ziel: Ein möglichst dichtes, ebenes Kronendach, das 70–90 % der Netzfläche bedeckt, bevor die Blüte eingeleitet wird.
Wann wird auf 12/12 umgeschaltet?
Das Netz sollte zu 70–90 % gefüllt sein, bevor der Lichtzyklus auf 12/12 umgestellt wird.
Faustregel: In den ersten 2–3 Blütewochen werden die Pflanzen noch einmal 50–100 % ihrer Höhe zulegen (Stretch-Phase). Plane diesen zusätzlichen Platz über dem Netz ein!
| Netzfüllung vor Blüte | Ergebnis nach Stretch |
|---|---|
| 50 % | Zu wenig – Ertragspotenzial nicht ausgeschöpft |
| 75 % | Optimal – leichter Überlauf nach dem Stretch |
| 90 % | Noch gut – erfordert präzises Timing |
| 100 % | Zu voll – Pflanzen überwuchern, Lichtdurchdringung leidet |
1. Letzte große Entlaubung unter dem Netz (Lollipopping) 2. Alle Triebe in die endgültige Position flechten 3. Netz auf Stabilität prüfen (schwere Buds kommen!) 4. Trainingseingriffe einstellen – die Pflanze braucht jetzt Ruhe für die Blütenbildung
Tipp: In dieser Phase brauchen SCROG-Pflanzen besonders gute Luftzirkulation, da das dichte Kronendach die Luftbewegung behindert.
| Fehler | Folge | Lösung |
|---|---|---|
| Netz zu niedrig | Pflanzen können nicht genug gefüllt werden | Netzhöhe an Genetik anpassen |
| Zu früher Blütestart | Lücken im Kronendach, Ertragseinbußen | Warten, bis 70–90 % des Netzes gefüllt sind |
| Zu später Blütestart | Überfüllung, schlechte Luftzirkulation, Schimmel | Frühzeitig umschalten; Stretch einplanen |
| Zu wenig Entlaubung | Beschattete Buds, Popcorn-Buds | Großzügig unter dem Netz entlauben |
| Zu viel Entlaubung | Pflanze geschockt, langsames Wachstum | Maximal 20–30 % der Blätter auf einmal entfernen |
| Autoflowering verwendet | Netz bleibt leer, Pflanze blüht vorzeitig | Nur photoperiodische Sorten verwenden |
| Kein Pflanzenbinder | Triebe rutschen aus dem Netz zurück | Mit weichem Draht fixieren |
| Unzureichende Luftzirkulation | Schimmel im dichten Kronendach | Zwei Umluftventilatoren verwenden |
| Kriterium | SCROG | SOG (Sea of Green) |
| ———– | ——- | ——————- |
| Pflanzen pro m² | 1–4 | 9–25 |
| Vegi-Phase | 3–8 Wochen | 0–2 Wochen |
| Gesamtzyklus | 12–16 Wochen | 8–11 Wochen |
| Ertrag pro m² | 400–800 g | 350–600 g |
| Ertrag pro Pflanze | 100–400 g | 20–50 g |
| Pflegeaufwand | Hoch (laufendes Training) | Gering |
| Bud-Qualität | Sehr gleichmäßig | Hauptsächlich Top-Buds |
| Ideal für | Wenige Pflanzen, max. Ausbeute | Schnelle Durchläufe |
| Anfängerfreundlich | Mittel (erfordert Geduld) | Einfach |
Fortgeschrittene Grower verwenden manchmal ein zweites Netz, 15–25 cm über dem ersten:
Wann sinnvoll? Bei Sativa-dominanten Sorten (>100 % Stretch) oder sehr schweren Buds.
Die Wirksamkeit des SCROG-Prinzips basiert auf mehreren pflanzenphysiologischen Effekten:
Lichtverteilung: Cannabis ist eine C3-Pflanze, deren Photosynthese bei einer PPFD von 600–1000 μmol/m²/s optimal arbeitet. Ein flaches Canopy sorgt dafür, dass die maximale Zahl an Blütenständen in diesem Bereich liegt. Ungetrailte Pflanzen haben oft eine hundertfache Differenz zwischen Spitzen- und Basis-Beleuchtung.
Auxin-Verteilung: Durch horizontales Biegen der Triebe (Apikaldomianz-Brechung) wird die Auxin-Konzentration gleichmäßiger verteilt. Statt einer dominanten Hauptcola entwickeln sich viele gleichberechtigte Triebe.
Hormonelle Antwort: Studien zeigen, dass horizontales Biegen von Trieben die Expression von Genen der sekundären Metaboliten-Biosynthese hochregulieren kann (Genes, 2023: Transcriptional regulation of secondary metabolism in Cannabis under mechanical stress).
Quellen:
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