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🇦🇹 Österreich – Cannabis-Rechtslage im Detail (Stand Juni 2026)

Österreich verfolgt im Vergleich zum Nachbarland Deutschland einen deutlich restriktiveren Ansatz in der Cannabispolitik. Während Deutschland seit April 2024 eine Teillegalisierung mit Eigenanbau und Anbauvereinigungen umgesetzt hat, bleibt Cannabis in Österreich nach dem Suchtmittelgesetz (SMG) grundsätzlich verboten – mit Ausnahme weniger medizinischer Präparate. Dieser Artikel gibt einen detaillierten Überblick über die aktuelle Rechtslage, Strafrahmen, medizinische Zugangsmöglichkeiten und aktuelle Entwicklungen.

Stand: 2026-06-01

⚠️ Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung. Bei konkreten rechtlichen Fragen bitte einen Rechtsanwalt in Österreich konsultieren.

🇪🇺 Cannabis in Europa – Rechtslage im Vergleich🇩🇪 Deutschland – Cannabisgesetz (CanG)

1. Rechtsgrundlage: Das Suchtmittelgesetz (SMG)

Die zentrale Rechtsgrundlage für den Umgang mit Cannabis in Österreich ist das Suchtmittelgesetz (SMG), BGBl. I Nr. 112/1997 in der geltenden Fassung.

Cannabis (THC-haltig) wird nach § 2 SMG als Suchtmittel eingestuft. Der Anbau, Erwerb, Besitz, Transport und Handel von Cannabis mit berauschendem THC-Gehalt ist nach § 27 SMG verboten und strafbar.

Wichtig: Nicht die Cannabispflanze an sich ist verboten, sondern der Anbau mit der Absicht, THC-haltige Suchtmittel zu gewinnen. Nicht-blühende Hanfpflanzen (als Zierpflanzen) befinden sich in einer rechtlichen Grauzone.

Quelle: Jusline – Suchtmittelgesetz (SMG) im Volltext

2. Besitz, Konsum und Eigenanbau

2.1 Besitz

Der Besitz von THC-haltigem Cannabis ist in Österreich strafbar – auch in geringen Mengen. Entgegen einem verbreiteten Mythos gibt es keine straflose Mindestmenge. Die Konsequenzen hängen jedoch stark von der Menge ab:

Menge Rechtsfolge
Sehr geringe Mengen (bis ca. 20 g THC-Gesamtmenge) Bei Eigenbedarf oft Diversion (Gesundheitsgespräch, Geldstrafe) – kein Strafregistereintrag
Geringe Mengen über Grenzwert Strafverfolgung nach § 27 SMG – bis zu 1 Jahr Freiheitsstrafe
Mengen über der Grenzmenge Tatbestand nach § 28/28a SMG (Vorbereitung von Suchtgifthandel) – höhere Strafen

Die Grenzmenge für Cannabis (Grenzmenge für Suchtgift) beträgt in Österreich 20 g THC-Reinsubstanz beim Cannabiskraut. Dabei wird nicht das Gesamtgewicht, sondern die Reinsubstanzmenge (Wirkstoff THC) bewertet. Bei durchschnittlichem Cannabiskraut mit ca. 10 % THC entspricht dies etwa 200 g Cannabiskraut, bei höherpotenten Sorten (20 % THC) etwa 100 g.

Quellen: - MPW Rechtsanwälte – SMG: Überblick Regeln und Strafen - RA Rauf – Besitz geringer Mengen & Eigenbedarf

2.2 Konsum

Der Konsum von Cannabis ist in Österreich nicht ausdrücklich unter Strafe gestellt – allerdings geht jeder Konsum praktisch immer mit dem strafbaren Besitz des Suchtmittels einher. Im öffentlichen Raum ist der Konsum de facto illegal und kann zu Anzeige und Strafverfahren führen.

2.3 Eigenanbau

Eigenanbau von THC-haltigem Cannabis ist in Österreich verboten. Anders als in Deutschland (3 Pflanzen pro volljähriger Person erlaubt, § 9 KCanG) gibt es in Österreich keine erlaubte Pflanzenzahl. Bereits eine einzige blühende Cannabispflanze kann strafrechtliche Konsequenzen nach § 27 SMG haben – unabhängig von der Anzahl.

Der Anbau von Nutzhanf (Industriehanf) ist mit EU-zertifizierten Sorten und einem THC-Gehalt von ≤ 0,3 % legal.

2.4 Diversion – „Therapie statt Strafe"

Das österreichische Recht sieht bei erstmaliger Auffälligkeit und kleinen Mengen oft die Möglichkeit einer Diversion vor. Dabei wird von der Strafverfolgung abgesehen, wenn sich der Betroffene bestimmten Maßnahmen unterzieht:

- Ärztliche Untersuchung und Beratung - Gesundheitsgespräch (Suchtberatung) - Therapeutische Maßnahmen - Geldauflage

Bei Erfüllung der Auflagen kommt es zur endgültigen Einstellung des Verfahrens – kein Eintrag ins Strafregister. Die Diversion ist eine wichtige Besonderheit des österreichischen SMG, die den Fokus auf Prävention und Gesundheitsschutz legt.

Quelle: MPW Rechtsanwälte – Therapie statt Strafe

3. Strafrahmen im Überblick

Straftatbestand Strafrahmen Rechtsgrundlage
Besitz/Eigenanbau zum persönlichen Gebrauch (geringe Menge) Bis zu 6 Monate Freiheitsstrafe oder Geldstrafe bis 360 Tagessätze § 27 Abs. 2 SMG
Unerlaubter Umgang (ohne Gewinnstreben) Bis zu 1 Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafe § 27 Abs. 1 SMG
Öffentliche oder entgeltliche Weitergabe/Handel Bis zu 2 Jahre Freiheitsstrafe § 27 Abs. 3 SMG
Straftat als Mitglied einer kriminellen Vereinigung Bis zu 3 Jahre Freiheitsstrafe § 27 Abs. 4 SMG
Suchtgifthandel (über Grenzmenge) Bis zu 5 Jahre, in schweren Fällen bis zu 15 Jahre §§ 28, 28a SMG
Einfuhr/Ausfuhr (über Grenzmenge) Bis zu 10 Jahre § 28 SMG

Quelle: Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS)

4.1 Hanfsamen und Stecklinge

Der Kauf und Besitz von Hanfsamen ist in Österreich ausdrücklich legal. Dies gilt auch für Hanfstecklinge und Hanfsämlinge, die als Zierpflanzen erworben werden dürfen. Die Strafbarkeit beginnt erst mit dem Anbau mit der Absicht, THC-haltige Blüten zu gewinnen.

4.2 CBD-Produkte

CBD-Produkte mit einem THC-Gehalt unter 0,3 % sind in Österreich grundsätzlich legal. Eine wichtige Änderung gab es 2026:

* CBD-Blüten (rauchbare Hanfprodukte): Seit 2026 dürfen diese ausschließlich in konzessionierten Tabaktrafiken verkauft werden. Hintergrund ist ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofs (VwGH) aus 2024, das CBD-Blüten der Tabaksteuer unterstellt hat. * CBD-Öle, -Kapseln und andere CBD-Produkte ohne Rauchbarkeit bleiben weiterhin frei verkäuflich – auch in CBD-Shops, Reformhäusern und online.

Quelle: Ganz Wien – Hanf Legalisierung: Ab 21. Juli in Trafiken erhältlich

5. Medizinisches Cannabis in Österreich

Der Zugang zu medizinischem Cannabis ist in Österreich deutlich restriktiver als in Deutschland:

5.1 Verschreibungsfähige Präparate

In Österreich sind reine Cannabisblüten zu therapeutischen Zwecken nicht verschreibungsfähig. Stattdessen können folgende Präparate verordnet werden:

* Sativex (THC/CBD-Mundspray) – zugelassen für Spastiken bei Multipler Sklerose * Dronabinol (synthetisches THC) – als magistrale Zubereitung in der Apotheke * Nabilon (synthetisches THC-Derivat) – ebenfalls als magistrale Zubereitung

5.2 Verschreibungsprozess

Eine Verordnung ist nur durch Ärzt:innen möglich, die eine medizinische Indikation feststellen müssen. Häufig diskutierte Einsatzbereiche sind:

* Chronische Schmerzen (v. a. neuropathische Schmerzen) * Spastische Symptome bei Multipler Sklerose * Übelkeit und Appetitlosigkeit bei Chemotherapie * Palliativmedizin

Die Krankenkasse prüft Anträge auf Kostenübernahme individuell – Entscheidungen können mehrere Wochen dauern. In der Praxis führt die Bürokratie oft zu Verzögerungen oder Ablehnungen.

5.3 Kosten

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten nicht automatisch. Patient:innen müssen die Therapie oft selbst finanzieren oder aufwändige Kostenerstattungsanträge stellen. Die monatlichen Kosten können je nach Präparat und Dosierung erheblich variieren.

Quellen: - Bezirke Österreich – Medizinisches Cannabis in Österreich - praktischArzt – Cannabis als Medizin auf Rezept in Österreich

6. Cannabis Social Clubs

Anders als in Deutschland (Anbauvereinigungen nach KCanG mit bis zu 500 Mitgliedern seit Juli 2024) sind Cannabis Social Clubs in Österreich gesetzlich nicht erlaubt. Es gibt kein dem KCanG entsprechendes Gesetz, das gemeinschaftlichen, nicht-kommerziellen Anbau regeln würde.

7. Vergleichstabelle: Österreich vs. Deutschland

Kriterium 🇦🇹 Österreich 🇩🇪 Deutschland
Rechtsgrundlage Suchtmittelgesetz (SMG) Konsumcannabisgesetz (KCanG)
Privater Eigenanbau ❌ Verboten (keine Pflanzenzahl) ✅ 3 Pflanzen erlaubt
Privatbesitz zuhause ❌ Strafbar (Diversion möglich) ✅ Bis 50 g
Privatbesitz öffentlich ❌ Strafbar ✅ Bis 25 g
Anbauvereinigungen (CSCs) ❌ Nicht erlaubt ✅ Bis 500 Mitglieder
Medizinisches Cannabis ⚠️ Stark eingeschränkt (nur Fertigarzneimittel) ✅ Cannabisblüten auf Rezept
Hanfsamen/-stecklinge kaufen ✅ Legal ✅ Legal
CBD-Blüten ✅ Nur in Trafiken (seit 2026) ✅ Legal
Legalisierung geplant ❌ Nicht absehbar ✅ In Kraft seit 1.4.2024

8. Prävalenz und Konsumzahlen

Laut dem Epidemiologiebericht Sucht 2025 der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG):

* Cannabis ist die am häufigsten konsumierte illegale Substanz in Österreich * Etwa 20 % der 15- bis 64-Jährigen haben zumindest einmal im Leben Cannabis konsumiert * Der Konsum beschränkt sich meist auf eine kurze Lebensphase * Ein vergleichsweise kleiner Teil entwickelt eine behandlungsbedürftige Problematik * Daten aus Drug-Checking und Sicherstellungen weisen auf stabile Konsumzahlen hin

Der risikoreiche Konsum illegaler Drogen wird in Österreich weiterhin von Opioiden dominiert (36.000–39.000 Personen mit risikoreichem Opioidkonsum). Cannabis-bedingte Behandlungen machen einen deutlich geringeren Anteil aus.

Quelle: GÖG – Epidemiologie- und Drogenbericht 2025

9. Aktuelle Entwicklungen (2025–2026)

9.1 VwGH-Urteil: CBD-Blüten unter Tabaksteuer

Eine der wichtigsten Neuerungen: Der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) entschied 2024, dass getrocknete Hanfblüten mit ≤ 0,3 % THC als rauchbare Hanfprodukte der Tabaksteuer unterliegen. Seit 2026 dürfen CBD-Blüten daher nur noch in konzessionierten Tabaktrafiken verkauft werden. CBD-Shops dürfen sie nicht mehr vertreiben – ein harter Schlag für die österreichische CBD-Branche.

9.2 Politische Diskussion

Die Teillegalisierung in Deutschland (CanG, April 2024) hat den politischen Druck auf Österreich erhöht:

* Erste Diskussionen im Nationalrat wurden geführt * Befürworter einer Legalisierung (NEOS, Teile der SPÖ und Grünen) fordern eine Reform * Die konservative ÖVP und weite Teile der FPÖ lehnen eine Legalisierung weiterhin ab * Stand Juni 2026 ist eine Legalisierung nach deutschem Vorbild kurzfristig nicht absehbar

9.3 Momentum Institut: Steuerpotenzial

Das österreichische Momentum Institut hat berechnet, dass eine Legalisierung von Cannabis in Österreich dem Staat jährlich rund eine halbe Milliarde Euro an Steuereinnahmen bringen könnte. Die Studie wurde im Mai 2026 veröffentlicht und hat die Debatte neu belebt.

Quelle: Momentum Institut – Cannabis-Legalisierung bringt halbe Milliarde jährlich (Mai 2026)

10. FAQ – Häufige Fragen

F: Darf ich mit Cannabis aus Deutschland nach Österreich reisen? A: Nein. Deutschland hat Cannabis teillegalisiert, Österreich nicht. Die Einfuhr von THC-haltigem Cannabis aus Deutschland nach Österreich ist nach § 28 SMG strafbar (Einfuhr von Suchtgift) und kann mit Freiheitsstrafen von bis zu 5 Jahren bestraft werden. Auch medizinisches Cannabis unterliegt strengen Einfuhrregeln.

F: Ist eine Pflanze wirklich strafbar? A: Ja. Anders als in Deutschland gibt es in Österreich keine legale Mindestmenge für den Cannabisanbau. Bereits eine einzige blühende Cannabispflanze kann nach § 27 SMG strafbar sein. Das oft gehörte „eine Pflanze ist okay“ ist ein Mythos.

F: Was passiert beim ersten Mal mit einer kleinen Menge? A: Bei kleinen Mengen (bis zur Grenzmenge) und fehlender Vorbelastung kommt oft Diversion zur Anwendung. Dies bedeutet: Die Staatsanwaltschaft sieht von der Strafverfolgung ab, wenn der Betroffene sich einem Gesundheitsgespräch unterzieht oder eine Geldauflage leistet. Es erfolgt kein Strafregistereintrag.

F: Kann ich CBD-Blüten in Österreich kaufen? A: Ja, allerdings nur noch in Tabaktrafiken (seit 2026). Der Verkauf in CBD-Shops ist nicht mehr erlaubt. CBD-Öle und -Kapseln bleiben hingegen frei verkäuflich.

F: Bekomme ich in Österreich medizinisches Cannabis auf Rezept? A: Nur unter sehr eingeschränkten Bedingungen. Reine Cannabisblüten sind nicht verschreibungsfähig. Verschreibbar sind Sativex (MS-Spastiken) und Dronabinol/Nabilon als individuelle Rezepturen. Die Kosten werden von der Krankenkasse nicht automatisch übernommen.

F: Wird Österreich Cannabis legalisieren? A: Kurzfristig nicht absehbar. Die deutsche Teillegalisierung hat die Debatte belebt, aber die politischen Mehrheitsverhältnisse (Stand Juni 2026) lassen eine Legalisierung in naher Zukunft nicht erwarten.

11. Quellenverzeichnis

* Jusline – Suchtmittelgesetz (SMG) – Volltext * Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS) * MPW Rechtsanwälte – Suchtmittelgesetz Österreich: Überblick über Regeln und Strafen * RA Rauf – Besitz geringer Mengen & Eigenbedarf: Was wirklich passiert * GrowCannabis24 – Cannabis Anbau Österreich 2026: Aktueller Überblick * Cannoptikum – Cannabis Legalisierung & Entkriminalisierung 2026 * Bezirke Österreich – Medizinisches Cannabis in Österreich * praktischArzt – Cannabis als Medizin auf Rezept in Österreich * GÖG – Epidemiologie- und Drogenbericht 2025 * Momentum Institut – Cannabis-Legalisierung bringt halbe Milliarde jährlich (Mai 2026) * Ganz Wien – Hanf Legalisierung: Ab 21. Juli in Trafiken erhältlich * Seeds24 – Cannabis Gesetze 2025/2026: Legalisierung in Tschechien, Rückschritt in Thailand

12. Verwandte Artikel

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