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Nützlinge im Cannabisanbau

Der Einsatz von Nützlingen (biologischen Schädlingsbekämpfungsmitteln) ist eine der effektivsten Methoden, um Cannabis-Schädlinge ohne chemische Rückstände zu kontrollieren. Im modernen Integrated Pest Management (IPM) spielen Raubmilben, Schlupfwespen, Nematoden und Mikroorganismen eine zentrale Rolle. Dieser Artikel fasst den aktuellen wissenschaftlichen Stand (2022–2026) zusammen.

Biologische Grundlagen

Nützlinge sind Organismen, die Schädlinge auf natürliche Weise regulieren – durch Fraß, Parasitierung oder Pathogenität. Im Cannabisanbau werden drei Hauptgruppen eingesetzt:

Die wichtigsten Nützlinge im Überblick

Raubmilben (Phytoseiidae)

Raubmilben sind die wichtigste Waffe gegen Spinnmilben (Tetranychus urticae) im Cannabisanbau:

Einsatz: 10–100 Stück/m² je nach Befallsdruck. Bei Temperaturen unter 15 °C stark reduzierte Aktivität. Der Lichtzyklus beeinflusst die Räuberleistung: Unter Langtag-Bedingungen (16 h Licht) ist die Netto-Räuberrate von P. persimilis mit 173,2 Spinnmilben-Eiern pro Raubmilbe signifikant höher als unter Kurztag (89,8 Eier bei 8 h Licht; Pakyari & Zemek, 2025). Während der Blüte (12/12) sollte die Ausbringungsmenge daher erhöht werden.

Quelle: Van Leeuwen T. et al. (2013) – Spider mite control and resistance management: does a genome help?, Pest Management Science, 69(2): 156–159 1) – alternativ via PubMed 2)

Marienkäfer (Coccinellidae)

Sowohl die Adulten als auch die Larven des Asiatischen Marienkäfers (Harmonia axyridis) und des Siebenpunkt-Marienkäfers (Coccinella septempunctata) fressen Blattläuse in großen Mengen.

Quelle: Alford, D. V. (2012). Pests of Ornamental Trees, Shrubs and Flowers. Manson Publishing.

Florfliegen (Chrysopidae)

Die Larven der Grünen Florfliege (Chrysoperla carnea) sind gefräßige Jäger, die Blattläuse, Thripse, Spinnmilben und Schildläuse attackieren. Wegen ihres Aussehens werden sie auch Blattlauslöwen genannt.

Schlupfwespen (Ichneumonidae & Chalcidoidea)

Verschiedene Schlupfwespen-Arten parasitieren spezifische Schädlinge:

Die adulten Schlupfwespen sind winzig (< 1 mm) und für das menschliche Auge kaum sichtbar – sie stechen die Schädlinge an und legen ein Ei hinein. Die geschlüpfte Larve frisst den Schädling von innen auf (Mumifikation).

Nematoden (Steinernematidae & Heterorhabditidae)

Nützliche Nematoden (Fadenwürmer) sind die wirksamste Waffe gegen Trauermücken (Bradysia spp.):

Nematoden sind lebende Organismen und müssen kühl gelagert werden (4–8 °C). Sie werden über das Gießwasser ausgebracht.

Quelle: e-nema GmbH – Biologische Schädlingsbekämpfung im Cannabisanbau 3)

Mikroorganismen als Nützlinge

Bacillus thuringiensis

Bacillus thuringiensis (Bt) ist ein Bodenbakterium, das für Schädlinge tödliche Proteinkristalle produziert:

Bacillus subtilis

Dieses Bakterium wird zunehmend als biologisches Fungizid gegen Echten Mehltau und Botrytis eingesetzt. Es bildet Biofilme auf der Blattoberfläche und produziert antimikrobielle Verbindungen (Lipopeptide).

Praxis: Wöchentliche Spritzung in der Blütephase – bildet einen Schutzfilm auf Blüten und Blättern.

Trichoderma spp.

Trichoderma harzianum und Trichoderma viride sind antagonistische Pilze, die:

Einsatz: Ins Substrat mischen beim Umtopfen oder als Gießmittel.

Quelle: Harman et al. (2004) – Trichoderma species—opportunistic, avirulent plant symbionts, Nature Reviews Microbiology 4)

Entomopathogene Pilze (Beauveria & Metarhizium)

Entomopathogene Pilze wie Beauveria bassiana und Metarhizium anisopliae gewinnen zunehmend an Bedeutung im biologischen Pflanzenschutz. Sie dringen durch die Kutikula von Schädlingen ein und töten diese durch Myzelwachstum und Toxine.

Eine aktuelle Studie (Lopez Restrepo & Kovalchuk, 2025) untersuchte den Einsatz von Beauveria bassiana gegen die Cannabis-Blattlaus Phorodon cannabis an drei Cannabissorten. Wesentliche Ergebnisse:

Quelle: Lopez Restrepo D., Kovalchuk I. (2025): Entomopathogenic Fungi Effectively Control Phorodon cannabis Aphid Population in Cannabis sativa Plants. Plants, 14(6): 931 5)

Einsatzstrategien im IPM

Ein effektives Nützlingsmanagement folgt dem IPM-Prinzip:

Stufe Maßnahme Nützling
Prävention Keine chemischen Breitband-Insektizide, Quarantäne neuer Pflanzen, Hygiene Amblyseius swirskii (präventiv)
Monitoring Gelbtafeln, wöchentliche Lupe-Kontrolle der Blattunterseiten
Früher Befall Gezielte Freisetzung von Nützlingen Raubmilben, Florfliegenlarven, Encarsia
Mittlerer Befall Mehrfachfreisetzung in kürzeren Abständen, Kombipräparate Nematoden + Raubmilben (Kombi)
Massiver Befall Notfall-Bekämpfung + Ernte vorzeitig erwägen Biologische Präparate (Spinosad, Neemöl)

Kombinierbarkeit

Nicht alle Nützlinge vertragen sich:

Nützling Verträgt sich mit Unverträglich mit
Raubmilben Florfliegen, Nematoden, Bacillus Breitband-Insektizide, Schwefel (> 25 °C)
Schlupfwespen Marienkäfer, Raubmilben Ameisen (stören die Parasitierung)
Nematoden Bacillus, Trichoderma Austrocknung, UV-Strahlung
Trichoderma Mykorrhiza, Bacillus Fungizide (auch biologische)

Praxistipps für Cannabisanbauer

Wissenschaftliche Quellen

Siehe auch

Stand: 2026-05-23, erstellt für das CannaWiki Lizenz: CC Attribution-Noncommercial-Share Alike 4.0 International