Table of Contents

Schädlinge & Krankheiten im Outdoor-Anbau

Outdoor-Cannabispflanzen sind einer ganz anderen Schädlings- und Krankheitsbelastung ausgesetzt als Indoor-Kulturen. Während Indoor vor allem Spinnmilben, Trauermücken und Grauschimmel dominieren, treten im Freilandanbau bodenbürtige Schädlinge, molluske Fraßschäden und eine Vielzahl luftübertragener Blattkrankheiten hinzu. Dieser Artikel deckt die outdoor-spezifischen Probleme ab, die in der allgemeinen Schädlinge & Krankheiten-Seite nicht ausführlich behandelt werden.

Stand: 2026-06-09

Schädlinge im Outdoor-Anbau

Nacktschnecken (Gastropoda: Pulmonata)

Nacktschnecken – insbesondere die Gartenecke (Arion hortensis) und die Spanische Wegschnecke (Cornu aspersum, früher Helix aspersa) – sind der häufigste Fraßschädling im Outdoor-Anbau. Sie können eine junge Cannabispflanze in einer einzigen Nacht kahl fressen.

Erkennung:

Schweregrad: Besonders gefährlich für Jungpflanzen bis ca. 30 cm Höhe. Ältere Pflanzen erholen sich schneller.

Bekämpfung:

Kohlerdling-Motten (Noctuidae)

Kohlerdlinge (Noctua pronuba, Autographa gamma und andere Noctuidae) sind Schmetterlingsraupen, die nachts Blätter und junge Triebe abfressen. Die Adulten sind graubraune Nachtfalter mit einer Spannweite von 3–4 cm.

Erkennung:

Lebenszyklus: Eier werden einzeln auf Unterseiten älterer Blätter gelegt (Juni–August). Raupen durchlaufen 6 Larvenstadien über 4–8 Wochen, bevor sie sich im Boden verpuppen. Bis zu drei Generationen pro Saison in Südeuropa, in Mitteleuropa meist zwei.

Bekämpfung:

Erdflöhe / Engerlinge (Scarabaeidae: Melolonthinae)

Maikafer-Larven (Melolontha melolontha, Amphimallon solstitiale) und andere Engerlinge fressen Wurzeln von Cannabispflanzen im Boden und können so Wachstumsstillstand und Welken verursachen.

Erkennung:

Lebenszyklus: 3–5 Jahre bis zur Verpuppung. Larven überwintern bis zu 40 cm Tiefe im Boden. Engerlinge sind besonders auf sandigen, warmen Böden häufig.

Bekämpfung:

Tomaten-Raupe / Heuschrecken (Noctuidae)

Die Tabak- und Tomatenschärpe (Helicoverpa armigera) ist ein zunehmendes Problem in Südeuropa und langsam verbreitet sich die Art aufgrund der Klimawärme aus. Die Raupen fressen Blüten und bilden Bohrlöcher in Buds.

Erkennung:

Bekämpfung:

Zikaden (Delphacidae & Cicadellidae)

Diverse Zikaden-Arten können Cannabispflanzen ansaugen und übertragen Phytoplasmen und Viren. Besonders in wärmeren Regionen relevant.

Erkennung:

Bekämpfung:

Krankheiten im Outdoor-Anbau

Alternaria-Blattflecken (Alternaria spp.)

Alternaria alternata und A. solani verursachen dunkle, ringförmige Blattflecken, die besonders bei wechselhaftem Wetter und längerer Blattnässe auftreten.

Erkennung:

Bedingungen: Warme Tage (20–30 °C) mit kühlen Nächten, Tau- oder Regentage, schwache Luftzirkulation.

Bekämpfung:

Septoria-Blattflecken (Septoria spp.)

Septoria spp. der Cannabis-spezifische Erreger S. cannabis verursachen kleine, runde, siliciumgraue Flecken mit dunklem Rand. Besonders bei regenreichem Frühjahr und Frühherbst ausgebreitet.

Erkennung:

Bedingungen: Nässe (Regen, überflüssig hohe Luftfeuchtigkeit), Temperaturen 15–25°C.

Bekämpfung:

Cladosporium (Cladosporium spp.)

Cladosporium ist ein ubiquitärer Schimmel, der in der freien Luft überall vorkommt. An Cannabis tritt er vor allem in der späten Blüte auf, wenn Luftfeuchtigkeit hoch und Temperatur moderat (15–22 °C) ist.

Erkennung:

Bedingungen: Hohe Luftfeuchtigkeit, schlechte Luftzirkulation, kompakte Buds.

Bekämpfung:

Cercospora-Blattflecken (Cercospora cannabis)

Cercospora cannabis ist ein pilzlicher Erreger, der kreisförmige bis unregelmäßige, bräunliche Blattflecken verursacht. Besonders in warm-feuchtem Klima relevant.

Erkennung:

Bedingungen: Warm-feuchtes Klima, Regen, länger anhaltende Blattnässe.

Bekämpfung:

Vorbeugende Maßnahmen im Outdoor-Anbau

Maßnahme Wichtigkeit Umsetzung
Standortwahl Kritisch Durchlässiger Boden, gute Luftzirkulation, keine Senken (Kälte- und Feuchtigkeitsstellen)
Pflanzenabstand Hoch Min. 50–80 cm zwischen Pflanzen für Luftzirkulation
Bodenbearbeitung Hoch Tiefgründige Lockung, Mykorrhiza- und Trichoderma-Beimischung (Mykorrhiza-Artikel)
Bewässerungs-Timing Hoch Morgens statt abends – Blätter müssen abtrocknen bevor Nachtfrost/Dämmerung beginnt
Mulch-Management Mittel Stroh oder Holzhackmulch als Schnecken-Hindernis; Laub-Mulch vermeiden (Pilzsporen)
Regenschutz Kritisch (Blüte) Mobiles Regendach oder Raincover ab September Outdoor-Anbau-Artikel
Nützlinge etablieren Hoch Präventiv Raubmilben und Florfliegen einsetzen (Nützlinge)

Alarmstufen und Handlungsempfehlungen

Alarmstufe Situation Handlung
Grün Keine Probleme Regelmäßige Kontrolle (1x/Woche)
Gelb Einzelne Blattflecken oder wenige Schnecken Biologische Präparate anwenden, Monitoring verstärken
Orange > 10% Blattfläche befallen oder wiederholter Schneckenfraß Präventive Maßnahmen intensivieren, ggf. Kupferpräparat (max. 2 Anwendungen)
Rot Massiver Befall (Botrytis, Alternaria) Bevorzugte Ernte oder Pflanzenvernichtung, Bodenverbesserung für nächste Saison

Aktuelle wissenschaftliche Studien

Siehe auch


Lizenz: CC Attribution-Noncommercial-Share Alike 4.0 International