Pflanzen-Training umfasst alle Techniken, mit denen Wuchsform, Architektur und Ertrag von Cannabispflanzen aktiv beeinflusst werden. Man unterscheidet mechanische Methoden (Biegen, Schneiden, Quetschen) und nicht-mechanische (Lichtsteuerung, Nährstoff-Manipulation). Ziel ist immer die optimale Ausnutzung des verfügbaren Lichts und die Maximierung der Blütenproduktion.
Stand: 2026-05-23
Die folgende Tabelle fasst alle gängigen Trainingsmethoden mit Stresslevel, Schwierigkeit und Ertragseffekt zusammen:
| Methode | Typ | Stress | Schwierigkeit | Ertragseffekt | Zeitaufwand |
|---|---|---|---|---|---|
| LST (Low Stress Training) | Biegen | Niedrig | Einfach | +20–40 % | Mittel (laufend) |
| Topping | Schnitt | Hoch | Einfach | +30–60 % | Gering (einmalig) |
| FIMing | Schnitt | Hoch | Mittel | +20–50 % | Gering (einmalig) |
| Supercropping | Quetschen | Hoch | Mittel | +25–45 % | Gering (einmalig) |
| Mainlining | Schnitt + LST | Hoch | Fortgeschritten | +40–80 % | Hoch (mehrere Wochen) |
| ScrOG (Screen of Green) | Netz + Biegen | Niedrig | Mittel | +40–80 % | Hoch (laufend) |
| SOG (Sea of Green) | Pflanzdichte | Niedrig | Einfach | +50–100 %/m² | Gering |
| Monster Cropping | Klonen in Blüte | Sehr hoch | Fortgeschritten | +20–40 % | Mittel |
| Lollipopping | Entlaubung | Mittel | Einfach | +10–20 % | Gering |
| PSIS (Sucrose-Infusion) | Nährstoff | Keiner | Mittel | +25 % | Gering |
| Licht-Architektur | Lichtspektrum | Keiner | Fortgeschritten | +15–30 % | Einmalig (Setup) |
Biegen und Fixieren von Zweigen ohne die Pflanze zu verletzen.
Die Zweige werden vorsichtig nach unten gebogen und mit Bindedraht, Pflanzenclips oder Heringen im Medium fixiert. Dadurch wird die Apikaldominanz (das Höhenwachstum der Haupttriebspitze) gebrochen und die unteren Seitentriebe erhalten mehr Licht.
Varianten:
Vorteile:
Nachteile:
Methoden, bei denen die Pflanze bewusst verletzt wird, um Wachstumsreaktionen auszulösen. Erfordert Erholungszeit (2–5 Tage).
Kappen des Haupttriebs oberhalb eines Nodiums.
Der Hauptstamm wird direkt über dem 3.–5. Nodium (Knoten) abgeschnitten. Die Pflanze reagiert, indem die beiden darunterliegenden Seitentriebe zu neuen Haupttrieben werden (symmetrische Y-Struktur).
Varianten:
Wichtigster Faktor: Die Pflanze sollte vor dem Topping mindestens 4–6 Nodien und eine stabile vegetative Phase haben.
Abkürzung für “Fuck I Missed” – ein unvollständiger Topping-Schnitt.
Anstatt den Trieb sauber durchzutrennen, wird nur etwa 60–80 % des Triebdurchmessers oberhalb eines Nodiums abgeschnitten oder gequetscht. Ergebnis sind oft 3–4 neue Triebe (statt 2 beim Topping), da das beschädigte Gewebe unkontrolliert austreibt.
Vorteil: Potenziell mehr Haupttriebe als Topping. Nachteil: Unberechenbarer – manchmal nur 1–2 Triebe, manchmal viele kleine.
Quetschen und Knicken von Zweigen ohne sie zu brechen (auch “Stem Supercropping” genannt).
Der Zweig wird zwischen Daumen und Zeigefinger sanft gerollt und gequetscht, bis die innere Faserschicht nachgibt. Anschließend wird der Zweig in die gewünschte Position gebogen. Die Pflanze bildet an der gequetschten Stelle innerhalb von 5–10 Tagen eine verdickte “Kallus”-Struktur, die den Nährstofftransport langfristig verbessert.
Ideale Anwendung:
Wichtig: Nur bei gesunden, gut hydrierten Pflanzen anwenden – welke Pflanzen brechen leichter.
Systematische Kombination aus Topping + LST + Entlaubung für eine symmetrische, flache Krone.
Entwickelt von Grower “Nugbuckets” (~2015). Standardprotokoll:
1. Pflanze bis zum 5.–6. Nodium wachsen lassen 2. Topping auf das 3. Nodium (Hauptstamm entfernt) 3. Alle Äste unter Nodium 3 entfernen 4. Die zwei verbleibenden Triebe werden gegensätzlich horizontal fixiert 5. Nach 1–2 Wochen: beide Triebe erneut toppen (→ 4 Triebe) 6. Nochmalige Wiederholung (optional) → 8 Triebe 7. Untere Blätter konsequent entfernen – nur die Triebspitzen bleiben
Wissenschaftliche Validierung (2025):
Ein Netz (Screen) wird horizontal über der Pflanze gespannt; Triebe werden durch das Netz geflochten.
Varianten:
Richtwerte ScrOG vs. SOG:
| Kriterium | ScrOG | SOG |
|---|---|---|
| Pflanzen/m² | 1–4 | 9–25 |
| Vegetationszeit | 4–8 Wochen | 0–2 Wochen |
| Training pro Pflanze | Hoch | Minimal |
| Flächenertrag | +++ | ++++ |
| Risiko | Schimmel im Netz | Gleichmäßigkeit nötig |
Entfernung aller unteren, lichtlosen Triebe und Blätter.
Bevor oder kurz nach der Blütephase werden alle Zweige, Blätter und Triebe im unteren Drittel der Pflanze entfernt. Diese “Schattenzone” produziert ohnehin nur kleine, luftige Popcorn-Buds – die Pflanze investiert ihre Energie stattdessen in die oberen Hauptbuds.
Vorteil: Größere, dichtere Hauptbuds, bessere Luftzirkulation (weniger Schimmelrisiko). Nachteil: Reduziert die Anzahl der Blüten insgesamt – nur sinnvoll, wenn die Pflanze ohnehin viele Blütenstände hat.
Stecklinge von einer Pflanze nehmen, die sich bereits in der Blüte befindet.
Gezieltes Entfernen von Blättern zur Verbesserung von Lichtdurchdringung und Luftzirkulation.
Kontrovers: In der Community umstritten – zu starke Entlaubung kann den Ertrag senken, da Blätter die Energieproduktion der Pflanze sind. Moderate Entlaubung (max. 20–30 % der Blattmasse) ist sicher.
| Setup | Empfohlene Methoden | Begründung |
|---|---|---|
| Kleiner Schrank (< 1 m²) | LST, ScrOG, Lollipopping | Begrenzte Höhe – horizontales Training maximiert Fläche |
| Mittleres Zelt (1–2 m²) | Mainlining, Topping + LST | Strukturierte Canopy, gute Luftzirkulation |
| Großes Zelt (> 2 m²) | ScrOG, SOG, Supercropping | Flächeneffizienz, mehrere Pflanzen |
| Outdoor | Topping, LST, Mainlining | Höhenkontrolle, Windresistenz |
| Autoflowering | Nur LST, Entlaubung (leicht) | Erholungszeit bei HST kostet Ertrag bei Autoflowers |
| Anfänger | LST, einfaches Topping | Verzeihend, geringes Risiko |
| Maximalertrag | Mainlining + ScrOG | Aufwändigste Kombination mit höchstem Potenzial |
Quelle: Royal Queen Seeds Blog (2023): PSIS: A Novel Technique to Unlock Bigger Cannabis Yields
Eine 10–15 %ige Saccharose-Lösung wird mit einer Spritze direkt in den Stamm injiziert (durch einen Rindenschnitt). Die Pflanze kann die zusätzliche Glucose sofort für die Blütenproduktion nutzen, ohne Umwege über die Photosynthese.
Praktische Anwendung: Statt zu biegen oder zu schneiden wird das Lichtspektrum so eingestellt, dass die Pflanze von selbst die gewünschte Architektur entwickelt. Blau-dominantes Spektrum für kompakte Pflanzen, FR-Reduktion zur Vermeidung von Streckung.
[⚠️ Hinweis: Diese Abschnitte sind Synthesen aus mehreren Quellen, keine direkten Studienergebnisse.]
Interpretation: Die Kombination von Monster Cropping mit einer Bacillus rhyzogenes-Gabe könnte die höhere Stressbelastung der Re-Veg-Pflanzen abfedern und die Bewurzelungsrate verbessern.
Interpretation: Die Kombination aus Computer Vision (Pflanzenerkennung) + IoT-Sensoren + Aktoren (motorbetriebene LST-Clips) ermöglicht theoretisch automatisches, KI-gesteuertes LST. Für ein ESP32/DIY-Projekt ist jedoch die Lichtspektrum-Steuerung der praktikablere Ansatz – statt mechanisch zu biegen, wird die Pflanze über Phytochrom-Rezeptoren durch Lichtfarben geformt.
| Fehler | Folge | Korrektur |
|---|---|---|
| Zu frühes Topping | Verkümmertes Wachstum | Erst ab 4–6 Nodien toppen |
| Zu starke Entlaubung | Ertragseinbruch | Max. 20–30 % der Blattmasse entfernen |
| Mainlining bei Autoflowers | Kaum Erholung – Ertragsverlust | Nur LST bei Autoflowers |
| Supercropping bei Trockenheit | Ast bricht statt knickt | Vorher gut wässern |
| ScrOG-Netz zu spät installiert | Pflanze schon zu groß | Netz vor Blütephase anbringen |
| Zu viele HST-Eingriffe parallel | Pflanze erholt sich nicht | Max. eine HST-Methode pro Durchgang |
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