Trichome (von griech. tríchōma = Haarwuchs) sind feine, drüsige Auswüchse auf der Epidermis von Cannabispflanzen und die primären Produktionsstätten für Cannabinoide, Terpene und Flavonoide. Ihre Reife und Dichte bestimmen maßgeblich die Potenz, das Aroma und die Qualität der Cannabisblüten.
Stand: 2026-05-27
Trichome sind epidermale Drüsenhaare, die auf der Oberfläche von Blättern, Stängeln und insbesondere der weiblichen Blütenstände (Bracts) wachsen. Bei Cannabis sativa L. konzentrieren sich über 90 % der Cannabinoide in den Trichomen der weiblichen Vorblätter 1).
Funktionen der Trichome:
Cannabis bildet drei morphologisch unterscheidbare Trichom-Typen aus:
| Merkmal | Beschreibung |
|---|---|
| Größe | 15–30 µm (kleinste aller Trichome) |
| Form | Mikroskopisch kleine, kugelförmige Drüsenköpfe |
| Vorkommen | Über die gesamte Pflanzenoberfläche verteilt (Blätter, Stängel, Blüten) |
| Cannabinoid-Gehalt | Gering – vernachlässigbar für die Gesamtpotenz |
| Dichte | 5–15 pro mm² |
| Erkennung | Nur unter dem Mikroskop sichtbar (20×–50× Vergrößerung) |
| Merkmal | Beschreibung |
|---|---|
| Größe | 40–120 µm |
| Form | Kurzer Stiel mit rundem Drüsenkopf; sitzen direkt auf der Epidermis ohne erkennbaren Stiel |
| Vorkommen | Auf Blattunterseiten, Vorblättern und Blütenständen |
| Cannabinoid-Gehalt | Mittel – tragen signifikant zum Gesamtcannabinoidgehalt bei |
| Dichte | 10–30 pro mm², abhängig von Sorte und Stressbedingungen |
| Merkmal | Beschreibung |
|---|---|
| Größe | 80–300 µm (oft mit bloßem Auge sichtbar) |
| Form | Langer, schlanker Stiel mit kugeligem, harzgefülltem Drüsenkopf (8–16 Zellen) |
| Vorkommen | Fast ausschließlich auf weiblichen Vorblättern (Bracts) und Blüten |
| Cannabinoid-Gehalt | Höchste Konzentration – bis zu 50 % THC/CBD des Trockengewichts in reifen Exemplaren |
| Dichte | 20–40+ pro mm² auf optimalen Blüten |
Die gestielten Trichome sind für den Grower am relevantesten: Ihre Farbveränderung von klar → milchig → bernsteinfarben ist der verlässlichste Indikator für den optimalen Erntezeitpunkt 3).
→ Siehe auch: Ernten, Trocknen, Lagern – Trichom-Reife
Die Trichom-Entwicklung folgt einem genetisch gesteuerten und umweltbeeinflussten Zeitplan:
| Phase | Zeitpunkt | Trichom-Status |
|---|---|---|
| Vegetativ | Woche 1–4 Vegi | Nur bulböse Trichome auf Blättern; nocht keine gestielten Trichome |
| Vorblüte (Pre-Flower) | 1–7 Tage nach 12/12 | Erste sessile Trichome auf Blütenansätzen |
| Frühe Blüte (Woche 1–3) | 1–21 Tage Blüte | Gestielte Trichome beginnen zu wachsen; Köpfe sind klar (durchsichtig) |
| Mittlere Blüte (Woche 4–6) | 22–42 Tage Blüte | Rasche Expansion der Trichom-Dichte; erste Trübungen durch Cannabinoid-Akkumulation |
| Späte Blüte (Woche 7–9) | 43–63 Tage Blüte | Höchste THC/CBD-Konzentration; Köpfe milchig (maximale Cannabinoid-Produktion) |
| Reife/Überreife | Ab Woche 10+ | Trichom-Köpfe werden bernsteinfarben/braun (THC → CBN-Abbau) |
Im Inneren des Trichom-Drüsenkopfes (Sekretionszellen + Speichervesikel) laufen komplexe biochemische Prozesse ab:
1. Vorstufe: Olivetolsäure (OA) + Geranylpyrophosphat (GPP) → CBGA (Cannabigerolsäure) – die Mutter aller Cannabinoide 2. Enzymatische Umwandlung: CBGA wird durch spezifische Synthasen (THCA-Synthase, CBDA-Synthase, CBCA-Synthase) in THCA, CBDA oder CBCA umgewandelt 3. Nicht-enzymatischer Abbau: THCA → THC → CBN (durch Licht, Hitze, Zeit)
| Faktor | Einfluss auf Trichom-Produktion |
|---|---|
| UV-B-Strahlung (280–315 nm) | Steigert THC-Gehalt um bis zu 30 % bei moderater Exposition; löst Stressreaktion aus, die Cannabinoid-Biosynthese hochreguliert |
| Hohe PPFD (>800 µmol/m²/s) | Fördert Trichom-Dichte bei ausreichender Nährstoffversorgung |
| Blaues Spektrum (400–500 nm) | Erhöht Terpenproduktion (insbesondere Monoterpene) |
| Rotes Spektrum (620–700 nm) | Fördert THC-Akkumulation in späten Blütephasen |
| Far-Red (730 nm) | Emerson-Effekt: Synergistische Steigerung der Photosynthese und Trichom-Entwicklung |
→ Siehe auch: Beleuchtung im Cannabis-Anbau → Siehe auch: LED-Beleuchtung im Detail
| Bedingung | Wirkung |
|---|---|
| Tag: 24–28 °C, Nacht: 18–22 °C | Optimal für Trichom-Reifung und Cannabinoid-Akkumulation |
| >30 °C dauerhaft | Hitze-Stress → verminderte Terpenproduktion (Terpene verdampfen/flüchtigen teilweise) |
| <18 °C | Verlangsamter Stoffwechsel → weniger Trichom-Dichte |
| VPD 1,2–1,5 kPa (Blüte) | Optimale Transpiration für Nährstofftransporte zu den Trichomen |
| Hohe Luftfeuchte (>65 % in später Blüte) | Begünstigt Botrytis; Trichome werden zerstört, Harz verdünnt |
→ Siehe auch: VPD-Management
| Nährstoff | Bedeutung |
|---|---|
| Calcium (Ca) | Zellwand-Stabilität der Trichom-Stielzellen; Mangel → reduzierte Trichom-Dichte |
| Magnesium (Mg) | Zentrales Atom des Chlorophylls; Cofaktor der Cannabinoid-Synthasen |
| Kalium (K) | Fördert Assimilattransport zu den Blüten |
| Schwefel (S) | Cofaktor der Terpen-Synthasen und wichtig für die Tertiärstruktur von THCA/CBDA-Synthasen |
| Silizium (Si) | Nanosilicon: Kann Trichom-Dichte und THC-Gehalt steigern 5) |
→ Siehe auch: pH- und Düngung → Siehe auch: Nanosilicon-Anwendung
Die Beurteilung der Trichom-Farbe erfordert ein Mikroskop oder eine Juwelier-Lupe mit mindestens 40×–60× Vergrößerung. Moderne USB-Mikroskope (100×–200×) liefern die besten Ergebnisse.
| Farbe | Bedeutungs | Cannabinoid-Profil | Empfohlener Anteil |
|---|---|---|---|
| Klar (transparent) | Trichom ist noch unreif; Cannabinoide werden noch produziert | Niedriger THC-Gehalt | 0 % (zu früh) |
| Milchig/trüb (weiß) | Höchster THC-Gehalt; Cannabinoide sind vollständig synthetisiert | Maximum THC, frische Terpene – eher zerebrales, energetisierendes High | 70–80 % |
| Bernsteinfarben/gelb | THC beginnt zu CBN abzubauen; sedierende Wirkung | Höherer CBN-Anteil, eher körperbetontes, beruhigendes High | 20–30 % |
| Dunkelbraun | Trichom ist oxidiert/abgestorben; hoher CBN-Gehalt | Sehr sedierend, geringere Potenz | Nur bei gewünschter CBN-Wirkung (Schlaf) |
Faustregel für die Ernte:
→ Ausführliche Anleitung zum Erntezeitpunkt nach Trichom-Reife
Trichome sind extrem empfindlich. Mechanische Beschädigung führt zum Austreten des Harzes (Cannabinoid-Verlust):
Vermeide:
Optimale Handhabung:
→ Siehe auch: Ernten, Trocknen, Curing – Vollständige Anleitung
Die fünf wichtigsten in Trichomen produzierten Cannabinoide:
| Cannabinoid | Konzentration in Trichomen | Biosynthese-Vorstufe | Wirkung |
|---|---|---|---|
| THC (Δ⁹-Tetrahydrocannabinol) | Bis zu 30 % des Trockengewichts | THCA (Decarboxylierung) | Psychedelisch, schmerzlindernd, appetitanregend |
| CBD (Cannabidiol) | Bis zu 20 % (bei CBD-Sorten) | CBDA (Decarboxylierung) | Entzündungshemmend, angstlösend, antipsychotisch |
| CBG (Cannabigerol) | <1 % („Mutter aller Cannabinoide“) | CBGA – Ausgangssubstanz | Antibakteriell, entzündungshemmend |
| CBN (Cannabinol) | <0,1 % (frisch); bis 5 % (gealtert) | THC-Abbauprodukt | Sedierend, Schlaf-induzierend |
| CBC (Cannabichromen) | <1 % | CBCA | Entzündungshemmend, antiviral |
→ Siehe auch: THC vs. CBG Vergleich → Siehe auch: THC, CBD & CBG im Vergleich
| Mythos | Wahrheit |
|---|---|
| „Mehr Trichome = mehr Potenz” | Nicht zwingend: Auch Terpen-Profil, Cannabinoid-Zusammensetzung und Entourage-Effekt bestimmen die Wirkung |
| „Bernsteinfarbene Trichome bedeuten mehr CBN“ | Korrekt, aber CBN entsteht erst durch Oxidation von THC – bernsteinfarben bedeutet weniger THC |
| „Man kann Trichome mit bloßem Auge zählen” | Nur gestielte Trichome (80–300 µm) sind sichtbar; millich/amber-Status ist ohne Vergrößerung nicht zuverlässig bestimmbar |
| „UV-Licht macht Trichome immer potenter“ | Moderate UV-B-Exposition kann THC steigern, aber zu viel UV schädigt Trichome und verringert Ertrag |
| „Trichome wachsen nach der Ernte weiter” | Falsch: Nach der Ernte findet keine Biosynthese mehr statt; Cannabinoide werden lediglich durch Decarboxylierung umgewandelt (insb. bei Wärme/Licht) |
| „'Kief' (Dry Sift) ist reines THC“ | Kief enthält Trichom-Köpfe, die neben THC auch Terpene, Wachse und andere Cannabinoide enthalten – je reiner, desto höher der Cannabinoid-Anteil |
Phytochemistry, 87, 51-59. → DOI: 10.1016/j.phytochem.2012.11.001Plant Physiology, 184(1), 130-147. → DOI: 10.1104/pp.20.00593Journal of Cannabis Research, 5, 12. → DOI: 10.1186/s42238-023-00178-9Frontiers in Plant Science, 10, 296. → DOI: 10.3389/fpls.2019.00296Photochemistry and Photobiology, 46(2), 201-206. → DOI: 10.1111/j.1751-1097.1987.tb04757.xtil dusk: daytime progression regulates primary and secondary metabolism in Cannabis glandular trichomes. Journal of Experimental Botany'', 76(1), 134-148. → DOI: 10.1093/jxb/erae148Lizenz: CC Attribution-Noncommercial-Share Alike 4.0 International