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Water use and productivity of Cannabis sativa L., KwaZulu-Natal Midlands, South Africa

Authors: Denton GM, Clulow A, Hill TR, Gokool S, Kunz R Year: 2025 DOI: 10.1186/s42238-025-00325-4 Source: PMC12398160 Tags: cannabis, non-medical, environmental

Stand: 2026-05-28

Hintergrund

Südafrika steht vor einer akuten Wasserkrise. Die Landwirtschaft verbraucht 66 % der verfügbaren Wasserressourcen (DWS, 2021). Der National Water Act (No. 36 von 1998) schreibt vor, dass flächenbasierte Aktivitäten mit signifikantem Wasserverbrauch als Streamflow Reduction Activities (SFRA) reguliert werden müssen – doch bislang fehlten belastbare Felddaten für Cannabis sativa L. als mögliche SFRA.

Obwohl Hanf international als wasserintensive Pflanze gilt, gab es vor dieser Studie keine einzige peer-reviewte Publikation mit direkten Evapotranspirations(ET)-Messungen von Hanf in Südafrika, und international nur wenige Studien mit indirekten Methoden.

Ziele der Studie:

  • Erste direkte ET-Messungen von Hanf in Südafrika mittels Eddy-Covariance-System
  • Bestimmung des Crop Coefficient (Kc) nach FAO-56
  • Berechnung der Wasserproduktivität (kg Blüte pro m³ Wasser)
  • Bewertung, ob bewässerter Hanf als SFRA eingestuft werden muss

Methodik

Standort & Versuchsaufbau

  • Standort: 29°31'37“ S, 30°28'03” E – kommerzieller Farmbetrieb nahe Pietermaritzburg, KwaZulu-Natal, Südafrika
  • Fläche: 7 Hektar, aufgeteilt in drei Felder (Nord, Ost, Süd)
  • Pflanzdichte: 2.000 Pflanzen/ha – sehr geringe Dichte (2 m × 2,5 m Reihenabstand), gewählt zur Vermeidung von Krankheitsausbreitung aus früheren Saisons
  • Sorten:
    • Nord/Ost: Cherry Blossom (Klone)
    • Süd: Charlotte's Angel (Sämlinge, feminisiert)
  • Pflanzung: Ende November 2022 (Vorkultivierung im Gewächshaus)
  • Ernte: April 2023
  • Bewässerung: Drip-Irrigation (Tropfschlauch, 5 cm vom Stamm), Fertigation über Bewässerungsleitungen
  • Management: Topping (Kappung des Apex) ab 1 m Höhe zur Förderung der Verzweigung und Blütenbildung im Südfeld
  • Jede 5. Reihe als unbepflanzter Fahrweg gelassen

Messsysteme

Das Kernstück war ein Eddy-Covariance (EC)-System (EC150 EasyFlux, Campbell Scientific), installiert auf einem Gittermast im Südfeld:

Instrument Messgröße Hersteller
EC150 CO₂/H₂O Open-Path Gas Analyser CO₂-/H₂O-Fluss Campbell Scientific
CSAT3A 3D-Sonic Anemometer Turbulenz, Windvektor Campbell Scientific
CNR4 Net Radiometer Netto-Strahlung (kurz-/langwellig) Kipp & Zonen
HC2S3 Temp./Feuchte-Sensor Temperatur, rel. Feuchte Campbell Scientific
TE525 Tipping Bucket Regenmesser Niederschlag Texas Instruments
CS616 Water Content Reflectometer Bodenfeuchte (VWC) Campbell Scientific
HFP01 Soil Heat Flux Plate Bodenwärmestrom Hukseflux
FW1 Fine Wire Thermocouple Hochfrequente Lufttemperatur Campbell Scientific
TCAV Thermoelemente Mittlere Bodentemperatur Campbell Scientific
LAI-2200C Plant Canopy Analyzer Blattflächenindex (LAI) Licor

Messkonfiguration:

  • EC-System auf 2 m über Kronendach, Fetch ≥ 100 m in Hauptwindrichtung
  • Abtastrate: 10 Hz, gemittelt auf 30-Minuten-Intervalle
  • Standard-Koordinatenrotation und Korrekturen (Campbell Scientific, 2018)
  • Bodenfeuchte in 5, 12, 25 und 45 cm Tiefe
  • Mikrometeorologische Daten aller 5 s (langsame Sequenz)
  • Niederschlagsdaten: 3-wöchige Lücke durch eine 16 km entfernte Station ergänzt (R² = 0,82)
  • Referenz-ET₀ nach FAO-56 Penman-Monteith berechnet
  • Messzeitraum: 7. Dezember 2022 – 15. April 2023

Ergebnisse

Evapotranspiration (ET)

Parameter Wert
Saisonale ET gesamt 377 mm
Durchschnittlicher Tages-ET 2,94 mm/Tag (bzw. 28,4 L/Pflanze)
Kumulierte Niederschläge (Saison) 139 mm
Bewässerungsmenge kumuliert 450 mm (berechnet aus ET+Abfluss)
Mittlere Lufttemperatur 20,6 °C (max 36,7 °C, min 5,3 °C)

Tagesgang: Typisch war ein Anstieg der ET ab Sonnenaufgang mit einem Maximum zwischen 11:00 und 14:00 Uhr (Spitzenwerte bis 4,5–5 mm/Tag). Die geringe Pflanzdichte (2000 Pfl./ha) führte zu einem hohen Anteil an Bodenverdunstung (E) im Verhältnis zur Transpiration (T), was die relativ hohe ET pro Fläche mit erklärt.

Crop Coefficient (Kc)

  • Mittlerer Kc über die Saison: 0,74 (Spanne 0,73–0,77)
  • Kc-Verlauf: Anstieg von ~0,6 (Jungpflanzenstadium) auf ~0,9 (maximale vegetative Entwicklung), Abfall auf ~0,6 in der späten Blütephase
  • Im Vergleich: Literatur-Kc für Hanf (FAO-56 standard): Keine Angabe – Pereira et al. (2021) fanden in ihrem Review keine einzige Kc-Publikation für Hanf

Wasserproduktivität

Parameter Wert
Blütenertrag k. A. (geschätzt auf Basis Pflanzenzahl)
Wasserproduktivität 0,96 kg Frischblüte / m³ Wasser
Wasserproduktivität (Trockenmasse) Im Vergleich internationaler Studien: niedriger

Einordnung der Wasserproduktivität:

  • Internationale Hanf-Studien berichten 1,0–3,8 kg/m³ (Schnitt-/Faserhanf)
  • Die niedrige Produktivität in dieser Studie wird auf die sehr geringe Pflanzdichte (2000 vs. üblich 20.000–60.000 Pfl./ha bei Faserhanf) zurückgeführt
  • Ein hoher Anteil der ET geht auf Bodenverdunstung zurück, da der Boden zwischen den Reihen lange unbeschattet blieb

Bodenfeuchte & Pflanzenparameter

  • Der volumentrische Wassergehalt (VWC) in 5 cm Tiefe schwankte zwischen 0,1 und 0,38 m³/m³
  • In 45 cm Tiefe: relativ konstant ~0,25–0,30 m³/m³ – kein Wasserstress feststellbar
  • LAI (Blattflächenindex): 0,5 (Jan.) → 3,5 (Feb.) → Rückgang auf ~1,5 (April)
  • Pflanzenhöhe: bis ca. 1,8 m (Südfeld, durch Topping begrenzt)

Bedeutung & Implikationen

Für die Wasserwirtschaft (SFRA)

Die südafrikanische Regierung benötigt ET-Daten, um zu entscheiden, ob Hanf als Streamflow Reduction Activity eingestuft wird. Mit einer saisonalen ET von 377 mm liegt Hanf in einer Größenordnung, die eine Prüfung als SFRA rechtfertigt – vergleichbar mit Eukalyptus-Plantagen, aber niedriger als Zuckerrohr.

Wichtig: Die gemessene ET von 377 mm ist niedriger als viele vorherige Annahmen (bis zu 700 mm), allerdings bei sehr geringer Pflanzdichte. Bei höheren Pflanzdichten (20.000+ Pfl./ha) wäre mit deutlich höherer ET zu rechnen. Die Einstufung als SFRA hängt daher stark von der Anbaumethode ab.

Für Anbauer & Bewässerungsmanagement

  • Tropfbewässerung ist essentiell für wassereffizienten Hanfanbau in Südafrika
  • Höhere Pflanzdichten verbessern die Wasserproduktivität durch reduzierte Bodenverdunstung
  • Die Kc-Werte (0,73–0,77) können als Grundlage für präzise Bewässerungsplanung nach FAO-56 dienen
  • Für kleine »Emerging Farmers« im ländlichen KwaZulu-Natal ist die Wirtschaftlichkeit bei diesem Wasserverbrauch kritisch zu prüfen

Wissenschaftliche Einordnung

Dies ist die erste Studie weltweit, die Hanf-ET mittels Eddy-Covariance gemessen hat – dem Goldstandard der ET-Messung. Bisherige Studien nutzten indirekte Methoden (Class-A-Pan, Sap-Flow, Fernerkundung), deren Validierung oft fehlte.

Methodische Stärken:

  • Direkte, nicht-invasive Messung bei hoher zeitlicher Auflösung
  • Berücksichtigung aller ET-Komponenten (E + T)
  • Validierte Korrekturverfahren

Limitationen:

  • Nur eine Saison an einem Standort
  • Geringe Pflanzdichte (2000 Pfl./ha) – nicht repräsentativ für kommerzielle Hanfproduktion
  • Nur ein Feld mit EC-Messung (keine Replikation)
  • Drei Wochen Niederschlagsdaten extern ergänzt

Zitierte Referenzen

  • Allen RG et al. (1998) – FAO-56: Crop Evapotranspiration. FAO Irrigation and Drainage Paper No. 56
  • Bajić et al. (2022) – Hemp ET measurements in Serbia (Class-A Pan)
  • Cosentino et al. (2013) – Hemp ET in semi-arid Mediterranean climate: 320 mm
  • Pereira et al. (2021) – Updated FAO-56 crop coefficients review – keine Kc für Hanf
  • Thevs & Aliev (2022) – Hemp transpiration in Kazakhstan: 353 mm (Sap-Flow)
  • Thevs & Nowotny (2023) – Hemp ET in Germany: 343 mm (S-SEBI remote sensing, 4 Jahre)

Quellen

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