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Cannabis & Dermatologie – Cannabinoide bei Hauterkrankungen

Stand: 2026-06-12

Die Haut ist das größte Organ des menschlichen Körpers – und sie ist mit dem kutanen Endocannabinoid-System (ECS) ausgestattet, einem komplexen Netzwerk aus Rezeptoren, Liganden und Enzymen, das eine zentrale Rolle bei der Hauthomöostase spielt. Cannabinoide wie CBD, THC und andere Wirkstoffe der Hanfpflanze können mit diesem System interagieren und entzündungshemmende, juckreizstillende und zellregulierende Effekte entfalten. Dieser Artikel gibt einen wissenschaftlich fundierten Überblick über den aktuellen Forschungsstand (2024–2026) zur Anwendung von Cannabinoiden bei Hauterkrankungen.

⚠️ Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Die beschriebenen Therapieansätze befinden sich teilweise noch in der Forschungsphase. Bei Hauterkrankungen bitte immer eine Ärztin oder einen Arzt konsultieren.

1. Das kutane Endocannabinoid-System

Die Haut besitzt ihr eigenes lokales Endocannabinoid-System, das eng mit dem zentralen ECS verbunden ist, aber auch autonom funktioniert. Die wichtigsten Komponenten:

1.1 Rezeptoren in der Haut

Rezeptor Vorkommen in der Haut Funktion
CB1 Keratinozyten, Melanozyten, Schweißdrüsen, sensorische Nervenfasern Schmerzwahrnehmung, Zellproliferation, Differenzierung
CB2 Keratinozyten, Immunzellen (Mastzellen, Makrophagen), Haarfollikel Entzündungsmodulation, Immunantwort
TRPV1 Keratinozyten, sensorische Nervenfasern Juckreiz, Schmerz, Wahrnehmung von Hitze und Entzündung
GPR55 Keratinozyten, Schweißdrüsen Zellproliferation, Entzündung
PPARγ Keratinozyten, Sebozyten Lipidmetabolismus, Talgproduktion, Entzündung

Quelle: Tóth KF et al. (2019): Endocannabinoids modulate human epidermal keratinocyte proliferation and survival via the sequential engagement of cannabinoid receptor-1 and transient receptor potential vanilloid-1. J Invest Dermatol 139(6):1249–1259.

1.2 Endogene Liganden

Die Haut produziert selbst endogene Cannabinoide (Endocannabinoide):

* Anandamid (AEA): Bindet an CB1 und CB2, reguliert Keratinozyten-Differenzierung * 2-Arachidonoylglycerol (2-AG): Bindet an CB1 und CB2, moduliert Entzündungsreaktionen * Palmitoylethanolamid (PEA): Wirkt über PPARγ und GPR55, entzündungshemmend und juckreizstillend * Oleoylethanolamid (OEA): Reguliert Talgproduktion und Appetit

Die Hauptfunktion des kutanen ECS ist die Aufrechterhaltung der Hautbarriere, die Regulierung von Zellproliferation und -differenzierung, die Modulation von Entzündungsreaktionen und die Steuerung der sensorischen Wahrnehmung (Juckreiz, Schmerz).

1.3 Was passiert bei Hauterkrankungen?

Bei verschiedenen Hauterkrankungen wurde eine Dysregulation des kutanen ECS nachgewiesen:

* Neurodermitis (Atopisches Ekzem): Erhöhte AEA-Spiegel, aber verminderte CB1-Expression → gestörte Hautbarriere * Psoriasis (Schuppenflechte): Erhöhte 2-AG-Spiegel, CB2-Dysregulation → verstärkte Entzündung und Keratinozyten-Proliferation * Akne: Dysregulation der Talgdrüsen-Funktion durch ECS-Imbalance * Pruritus (Juckreiz): TRPV1-Überaktivierung, verminderte endogene Cannabinoid-Spiegel

Quelle: Bíró T et al. (2009): The endocannabinoid system of the skin in health and disease: novel perspectives and therapeutic opportunities. Trends Pharmacol Sci 30(8):411–420.

2. Wirkmechanismen von Cannabinoiden in der Haut

2.1 Entzündungshemmung

Cannabinoide wirken auf mehreren Ebenen entzündungshemmend:

* Hemmung pro-inflammatorischer Zytokine: CBD reduziert TNF-α, IL-6, IL-8 und IL-17 – Schlüsselmediatoren bei Psoriasis und Neurodermitis * Modulation der NF-κB-Signaltransduktion: CBD hemmt den NF-κB-Signalweg, der bei chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen überaktiviert ist * Mastzell-Stabilisierung: CBD kann Mastzellen stabilisieren und die Histamin-Freisetzung reduzieren – relevant bei Urtikaria und allergischen Reaktionen * Th1/Th2-Balance: Cannabinoide können das Gleichgewicht zwischen pro- und anti-inflammatorischen T-Helferzellen modulieren

2.2 Juckreizstillung (Antipruritikum)

Juckreiz ist eines der belastendsten Symptome vieler Hauterkrankungen. Cannabinoide wirken auf mehreren Ebenen:

* TRPV1-Desensitisierung: CBD aktiviert und desensibilisiert TRPV1-Kanäle – der gleiche Mechanismus, den Capsaicin (aus Chili) nutzt * CB1-vermittelte Hemmung: CB1-Aktivierung in sensorischen Nervenfasern kann Juckreiz-Signale unterdrücken * Reduktion entzündlicher Mediatoren: Weniger Entzündung = weniger Juckreiz

2.3 Regulation der Talgproduktion

CBD hat in Laborstudien gezeigt, dass es die Sebozyten-Funktion direkt beeinflussen kann:

* Hemmung der lipogenen (talgbildenden) Gene in Sebozyten * Reduktion der Talgproduktion um bis zu 50 % in Zellkultur-Studien * Entzündungshemmung in der Talgdrüse selbst

Quelle: Oláh A et al. (2014): Cannabidiol exerts sebostatic and antiinflammatory effects on human sebocytes. J Clin Invest 124(9):3713–3724.

2.4 Antimikrobielle Wirkung

Verschiedene Cannabinoide zeigen antibakterielle Eigenschaften, insbesondere gegen:

* Staphylococcus aureus (einschließlich MRSA) – relevant bei infizierten Ekzemen * Cutibacterium acnes (früher: Propionibacterium acnes) – relevant bei Akne * Verschiedene Pilzarten – in-vitro-Aktivität gegen Dermatophyten

Quelle: Appendino G et al. (2008): Antibacterial cannabinoids from Cannabis sativa: a structure-activity study. J Nat Prod 71(8):1427–1430.

3. Evidenz bei spezifischen Hauterkrankungen

3.1 Neurodermitis (Atopisches Ekzem)

Neurodermitis ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung mit gestörter Hautbarriere, intensivem Juckreiz und wiederkehrenden Schüben. Weltweit sind bis zu 20 % der Kinder und 2–10 % der Erwachsenen betroffen.

Studienlage (2024–2026):

Eine umfassende Systematic Review und Meta-Analyse von Sermsaksasithorn et al. (2025, Frontiers in Pharmacology) evaluierte 17 Studien mit insgesamt 3.359 Teilnehmern zur Anwendung von Cannabinoiden bei Hauterkrankungen. Die wichtigsten Ergebnisse für Neurodermitis:

* Juckreiz: Statistisch signifikante Reduktion (SMD = −0,29, 95 % KI: −0,52 bis −0,06) – klinisch relevant, aber moderat * Hauttrockenheit: Kein signifikanter Effekt (SMD = −0,22, 95 % KI: −0,58 bis 0,14) * Erythem (Rötung): Kein signifikanter Effekt (SMD = −0,33, 95 % KI: −0,65 bis 0,00) * Lebensqualität: Kein signifikanter Effekt (SMD = −0,15, 95 % KI: −0,64 bis 0,34) * Transepidermaler Wasserverlust (TEWL): Kein signifikanter Effekt

Interpretation: Cannabinoide zeigen einen modesten, aber signifikanten Effekt auf den Juckreiz bei Neurodermitis. Für objektive Krankheitsparameter (Hautbarriere, Rötung, Schweregrad) konnte kein klarer Nutzen nachgewiesen werden.

Einzelstudien: * Eine randomisierte Doppelblindstudie mit topischem CBD (2 % Creme, 8 Wochen) zeigte eine signifikante Juckreiz-Reduktion im Vergleich zu Placebo * Eine offene Pilotstudie mit PEA-haltiger Creme (0,3–1 %) zeigte Verbesserungen bei leichtem bis mittelschwerem Neurodermitis * Die meisten Studien waren klein (n < 100) und kurzfristig (4–12 Wochen)

Quelle: Sermsaksasithorn P, Nopsopon T, Samuthpongtorn C, Chotirosniramit K, Pongpirul K (2025): Cannabis and cannabinoids in dermatology: a systematic review and meta-analysis of quantitative outcomes. Front Pharmacol 16:1609667.

3.2 Psoriasis (Schuppenflechte)

Psoriasis ist eine chronisch-entzündliche, immunvermittelte Hauterkrankung, die durch überschießende Keratinozyten-Proliferation und Entzündung gekennzeichnet ist. Weltweit sind etwa 2–3 % der Bevölkerung betroffen.

Studienlage:

Die Evidenz für Cannabinoide bei Psoriasis ist weniger robust als bei Neurodermitis:

* In-vitro-Studien: CBD hemmt die Proliferation von Keratinozyten und reduziert pro-inflammatorische Zytokine (TNF-α, IL-17, IL-6) in Psoriasis-relevanten Zellmodellen * Klinische Studien: Es gibt keine großen randomisierten kontrollierten Studien zur topischen oder systemischen Anwendung von Cannabinoiden bei Psoriasis (Stand Juni 2026) * Fallberichte und Fallserien: Einzelne Fallberichte beschreiben Verbesserungen unter topischem THC/CBD, aber die Evidenz ist schwach * Oral CBD bei Psoriasis: Eine randomisierte Studie (2025, Journal of Dermatological Treatment) untersuchte orales CBD-Öl bei leichter bis mittelschwerer Psoriasis – die Ergebnisse waren nicht signifikant gegenüber Placebo

Preklinische Hoffnung: Die Forschung zeigt, dass das ECS eine wichtige Rolle in der Psoriasis-Pathogenese spielt. CB2-Rezeptoren sind in psoriatischen Hautläsionen überexprimiert, und CB2-Agonisten können in Tiermodellen die Entzündung reduzieren. Dies liefert eine rationale Grundlage für zukünftige klinische Studien.

Quelle: Roongpisuthipong W, Klangjareonchai T, Kurathong S, Roongpisuthipong A (2025): Efficacy and safety of cannabidiol oil in psoriasis: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. J Dermatolog Treat 37(1):2604448. DOI: 10.1080/09546634.2025.2604448

3.3 Akne (Acne vulgaris)

Akne ist die häufigste Hauterkrankung weltweit und betrifft bis zu 85 % der Jugendlichen. Sie wird durch vier Faktoren verursacht: vermehrte Talgproduktion, Follikel-Hyperkeratose, bakterielle Besiedlung (C. acnes) und Entzündung.

Studienlage:

Die Forschung zu CBD bei Akne ist vielversprechend auf zellulärer Ebene, aber klinisch noch begrenzt:

* Oláh et al. (2014) – bahnbrechende In-vitro-Studie: CBD reduzierte die Talgproduktion in menschlichen Sebozyten um bis zu 50 %, indem es den SREBP1-Signalweg hemmte. Gleichzeitig zeigte CBD entzündungshemmende Effekte durch Hemmung des NF-κB-Signalwegs. * Anti-lipogener Effekt: CBD normalisierte die übermäßige Lipidproduktion in Sebozyten, ohne die Zellviabilität zu beeinträchtigen * Antientzündlicher Effekt: CBD reduzierte die Produktion pro-inflammatorischer Zytokine (TNF-α, IL-1β, IL-6) in stimulierten Sebozyten * Klinische Studien: Es gibt keine veröffentlichten randomisierten kontrollierten Studien zur topischen Anwendung von CBD bei Akne (Stand Juni 2026) * Beobachtungsdaten: Einige kleine Beobachtungsstudien und Fallberichte beschreiben Verbesserungen, aber die Evidenz ist schwach

Fazit: Die präklinischen Daten sind vielversprechend, aber es fehlen robuste klinische Studien. CBD als Akne-Therapie bleibt experimentell.

Quelle: Oláh A et al. (2014): Cannabidiol exerts sebostatic and antiinflammatory effects on human sebocytes. J Clin Invest 124(9):3713–3724.

3.4 Chronischer Juckreiz (Pruritus)

Chronischer Juckreiz ist ein Symptom, das bei vielen Hauterkrankungen, aber auch bei systemischen Erkrankungen (Niereninsuffizienz, Lebererkrankungen, Polyzythämie) auftritt. Er kann die Lebensqualität massiv beeinträchtigen.

Studienlage:

Die stärkste Evidenz für Cannabinoide in der Dermatologie liegt bei der Juckreiz-Reduktion:

* Meta-Analyse (Sermsaksasithorn et al., 2025): Signifikante Juckreiz-Reduktion (SMD = −0,29) – der konsistenteste Befund aller dermatologischen Cannabinoid-Studien * Mechanismus: CBD desensibilisiert TRPV1-Kanäle (die „Juckreiz-Rezeptoren“) und aktiviert CB1 in sensorischen Nervenfasern * PEA (Palmitoylethanolamid): Mehrere Studien zeigen, dass topisches PEA bei verschiedenen Formen des chronischen Juckreizes wirksam sein kann – PEA ist kein klassisches Cannabinoid, aber ein endogenes N-Acylethanolamin, das über PPARγ wirkt

Quelle: Sermsaksasithorn P, Nopsopon T, Samuthpongtorn C, Chotirosniramit K, Pongpirul K (2025): Cannabis and cannabinoids in dermatology: a systematic review and meta-analysis. Front Pharmacol 16:1609667.

3.5 Weitere Hauterkrankungen (Forschungsstand)

Erkrankung Studienlage Potenzial
————————-———–
Sklerodermie Fallberichte, In-vitro Möglicher anti-fibrotischer Effekt von CBD
Hautkrebs (BCC, SCC) Preklinisch CBD und THC zeigen pro-apoptotische Effekte in Hautkrebs-Zelllinien
Wundheilung Tiermodelle Mögliche Beschleunigung durch ECS-Modulation
Alopezie (Haarausfall) Theoretisch ECS reguliert Haarfollikel-Zyklus (CB1-Knockout-Mäuse zeigen verändertes Haarwachstum)
Rosazea Keine Studien Theoretisch durch entzündungshemmende Wirkung möglich
Urtikaria Fallberichte Mastzell-stabilisierende Eigenschaften von CBD

4. Topische vs. systemische Anwendung

4.1 Topische Anwendung (Cremes, Salben, Seren)

Die topische Anwendung ist die am besten untersuchte und sicherste Form der dermatologischen Cannabinoid-Anwendung:

Vorteile: * Lokale Wirkung direkt in der Haut * Minimale systemische Aufnahme → weniger Nebenwirkungen * Keine psychoaktive Wirkung (bei CBD) * Gute Verträglichkeit

Bioverfügbarkeit: * Die Hautbarriere begrenzt die Penetration von Cannabinoiden erheblich * Lipophile Formulierungen (Öle, Salben) penetrieren besser als wässrige Cremes * Penetrationsverstärker (z. B. Ethanol, Propylenglykol) können die Aufnahme verbessern * Nanopartikel-Formulierungen werden in der Forschung untersucht, um die Hautpenetration zu verbessern

Typische Dosierung in Studien: * CBD-Cremes: 0,1–5 % CBD * PEA-Cremes: 0,3–1 % PEA * Anwendung: 1–2× täglich auf die betroffene Hautstelle

4.2 Systemische Anwendung (Öl, Kapseln)

Die systemische Anwendung (oral, inhalativ) wird bei Hauterkrankungen weniger häufig untersucht:

* Orales CBD: Geringe Bioverfügbarkeit (6–19 %), aber systemische entzündungshemmende Wirkung möglich * Orales THC: Kann bei starkem Juckreiz wirksam sein, aber psychoaktive Nebenwirkungen * Indikation: Systemische Anwendung wird eher bei schweren, ausgedehnten Hauterkrankungen in Betracht gezogen

Nebenwirkungen der systemischen Anwendung: * Müdigkeit, Schwindel (THC) * Magen-Darm-Beschwerden (oral CBD) * Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten (CYP450-Enzymhemmung durch CBD) * Leberwerterhöhung bei hohen CBD-Dosen (> 300 mg/Tag)

5. Rechtliche Situation in Deutschland (2026)

5.1 Medizinalcannabis bei Hauterkrankungen

* Verschreibung: Medizinisches Cannabis (THC-haltige Präparate) kann von Ärzten bei schweren Hauterkrankungen mit therapieresistentem Juckreiz auf Rezept verschrieben werden – als Off-Label-Use * Kostenübernahme: Die GKV übernimmt die Kosten in der Regel nur bei schweren, therapieresistenten Fällen und nach Genehmigung * Verfügbare Präparate: Dronabinol (THC), Cannabisblüten (z. B. Bedrocan, Bediol), Nabiximols (Sativex)

5.2 CBD-Produkte

* CBD-Cremes und -Seren: Können frei als Kosmetikprodukte verkauft werden, solange sie keine medizinische Werbung machen * CBD-Öl: Als Lebensmittel (Novel Food) nur mit EU-Zulassung erlaubt – die Regulierung ist noch im Fluss * Kein Betäubungsmittel: CBD fällt nicht unter das BtMG oder NpSG * THC-Grenzwert: Kosmetische Produkte dürfen maximal 0,2 % THC enthalten (in der Praxis oft niedriger)

5.3 PEA (Palmitoylethanolamid)

* PEA ist in Deutschland als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich * Es ist kein Cannabinoid im engeren Sinne, sondern ein endogenes N-Acylethanolamin * PEA-haltige Cremes (z. B. Normast, Pelvilen) sind in Apotheken und Online-Shops erhältlich

6. Praktische Empfehlungen für Betroffene

Für Patientinnen und Patienten mit Hauterkrankungen, die Cannabinoide ausprobieren möchten:

1. Erst den Arzt fragen: Besprechen Sie die Anwendung von Cannabinoiden mit Ihrer Dermatologin oder Ihrem Dermatologen – insbesondere bei gleichzeitiger Medikamenteneinnahme 2. Topisch beginnen: Topische Produkte (CBD-Cremes, PEA-Cremes) sind die sicherste Option 3. Qualität achten: Produkte von seriösen Herstellern mit Laboranalysen (Certificate of Analysis) wählen 4. Langsam starten: Mit niedriger Konzentration beginnen und langsam steigern 5. Geduld haben: Die Wirkung kann erst nach 2–4 Wochen regelmäßiger Anwendung eintreten 6. Nicht die Standardtherapie ersetzen: Cannabinoide sollten eine Ergänzung, nicht einen Ersatz für etablierte Therapien sein 7. Beobachten: Auf Hautreaktionen achten – selten können Cannabinoide selbst allergische Reaktionen auslösen

⚠️ Wichtig: Bei akuten Hautschüben, Infektionen oder unklaren Hautveränderungen bitte immer ärztliche Hilfe suchen.

7. Ausblick: Wo steht die Forschung?

Die dermatologische Cannabinoid-Forschung befindet sich noch in einem frühen Stadium, aber die Dynamik ist bemerkenswert:

Aktuelle Entwicklungen (2025–2026): * Größere klinische Studien: Mehrere multizentrische RCTs zu CBD bei Neurodermitis und Psoriasis sind in der Planung oder Rekrutierungsphase * Nanopartikel-Formulierungen: Forscher arbeiten an CBD-Nanopartikeln, die die Hautpenetration verbessern und eine kontrollierte Freisetzung ermöglichen * Synthetische Cannabinoid-Rezeptor-Agonisten: Selektive CB2-Agonisten (die nicht psychoaktiv sind) werden als potenzielle Dermatika untersucht * Kombinationstherapien: Erste Studien untersuchen die Kombination von CBD mit Standardtherapien (z. B. Kortison, Calcineurin-Inhibitoren) * Mikrobiom-Forschung: Die Interaktion zwischen ECS, Hautmikrobiom und Entzündung wird zunehmend erforscht

Was noch fehlt: * Große, langfristige randomisierte kontrollierte Studien * Standardisierte Dosierungsprotokolle * Langzeit-Sicherheitsdaten * Head-to-Head-Vergleiche mit Standardtherapien * Studien zu optimalen Formulierungen und Penetrationsverstärkern

Prognose: Experten erwarten, dass in den nächsten 5 Jahren die Evidenzbasis für topische Cannabinoid-Präparate bei Neurodermitis und Pruritus deutlich wachsen wird. Eine Zulassung als Arzneimittel ist mittelfristig für spezifische Indikationen denkbar, aber noch nicht absehbar.

8. Zusammenfassung

Hauterkrankung Evidenzgrad Stärkste Evidenz für Empfehlung
—————————-———————————
Neurodermitis Moderat Juckreiz-Reduktion Topische CBD/PEA-Creme als Ergänzung erwägenswert
Psoriasis Niedrig Keine klinische Evidenz Noch nicht empfehlenswert – Forschung läuft
Akne Niedrig Nur In-vitro-Daten Noch nicht empfehlenswert – vielversprechend
Chronischer Juckreiz Moderat Juckreiz-Reduktion Topische Cannabinoide/PEA als Ergänzung
Hautkrebs Sehr niedrig Nur präklinisch Keine klinische Anwendung

Das Wichtigste in Kürze: * Das kutane Endocannabinoid-System spielt eine wichtige Rolle bei Hautgesundheit und Hautkrankheiten * Cannabinoide – insbesondere CBD – zeigen entzündungshemmende, juckreizstillende und talgregulierende Eigenschaften * Die stärkste klinische Evidenz liegt für die Juckreiz-Reduktion bei Neurodermitis * Topische Anwendung ist sicher und gut verträglich * Cannabinoide sollten eine Ergänzung, kein Ersatz für Standardtherapien sein * Die Forschung ist vielversprechend, aber noch in einem frühen Stadium

Quellenverzeichnis

* Sermsaksasithorn P, Nopsopon T, Samuthpongtorn C, Chotirosniramit K, Pongpirul K (2025): Cannabis and cannabinoids in dermatology: a systematic review and meta-analysis of quantitative outcomes. Frontiers in Pharmacology 16:1609667. DOI: 10.3389/fphar.2025.1609667 * Bíró T, Tóth BI, Haskó G, Paus R, Pacher P (2009): The endocannabinoid system of the skin in health and disease: novel perspectives and therapeutic opportunities. Trends in Pharmacological Sciences 30(8):411–420. DOI: 10.1016/j.tips.2009.05.004 * Oláh A, Tóth BI, Borbíró I et al. (2014): Cannabidiol exerts sebostatic and antiinflammatory effects on human sebocytes. Journal of Clinical Investigation 124(9):3713–3724. DOI: 10.1172/JCI64628 * Tóth KF, Ádám D, Bíró T, Oláh A (2019): Cannabinoid Signaling in the Skin: Therapeutic Potential of the 'C(ut)annabinoid' System. Molecules 24(5):918. DOI: 10.3390/molecules24050918 * Appendino G, Gibbons S, Giana A et al. (2008): Antibacterial cannabinoids from Cannabis sativa: a structure-activity study. Journal of Natural Products 71(8):1427–1430. DOI: 10.1021/np8002673 * Roongpisuthipong W, Klangjareonchai T, Kurathong S, Roongpisuthipong A (2025): Efficacy and safety of cannabidiol oil in psoriasis: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Journal of Dermatological Treatment 37(1):2604448. DOI: 10.1080/09546634.2025.2604448 * Redmond MC, Finn DP (2025): The Therapeutic Potential of Cannabidiol in Skin Conditions. Journal of Cosmetic Dermatology 24(11). DOI: 10.1111/jocd.70527 * Baswan SM et al. (2020): Therapeutic Potential of Cannabidiol (CBD) for Skin Health and Disorders. Clinical, Cosmetic and Investigational Dermatology 13:927–942. DOI: 10.2147/CCID.S286411

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