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Cannabis-Getränke – Von Tee bis Cocktail

Cannabis-Getränke bieten eine rauchfreie, diskrete und vielseitige Alternative zum Inhalieren. Von traditionellem Bhang aus Indien über modernen Cannabis-Tee bis hin zu selbstgemachten Limonaden und Cocktails – die Möglichkeiten sind vielfältig. Anders als beim Rauchen entfaltet sich die Wirkung langsamer, hält dafür aber länger an. Dieser Artikel erklärt die Grundlagen der Herstellung, gibt konkrete Rezepte und erläutert Dosierung, Wirkung und rechtliche Rahmenbedingungen.

Stand: 2026-05-31

⚠️ Wichtiger Hinweis: Cannabis-Getränke mit THC fallen unter das Konsumcannabisgesetz (KCanG). Die Weitergabe an Dritte ist strafbar. Der Genuss ist ausschließlich dem eigenen Bedarf aus legalen Quellen (Eigenanbau, Anbauvereinigung) vorbehalten. Bei medizinischer Anwendung bitte den behandelnden Arzt konsultieren.

1. Grundlagen: Warum Fett nötig ist

Cannabinoide (THC, CBD, CBG etc.) sind fettlöslich (lipophil), aber wasserunlöslich. Um sie in Getränken bioverfügbar zu machen, braucht es einen Fett-Trägerstoff (Milch, Sahne, Kokosöl, Butter, MCT-Öl) oder Emulgatoren wie Lecithin.

1.1 Decarboxylierung – Der wichtigste Schritt

Rohes Cannabis enthält THCA (Tetrahydrocannabinolsäure), das noch nicht psychoaktiv wirkt. Erst durch Erhitzen wird THCA in das wirksame THC umgewandelt (Decarboxylierung).

Decarboxylierung im Ofen:

1. Cannabis grob zerkleinern (nicht zu fein)
2. Auf Backpapier bei **115 °C für 30–40 Minuten** backen
3. Zwischendurch einmal wenden
4. Abkühlen lassen – fertig für die Weiterverarbeitung

Alternative: Bei der Zubereitung von Cannabis-Milch (siehe Abschnitt 2) kann die Decarboxylierung auch direkt im Wasserbad oder Slow Cooker erfolgen, da die Cannabinoide bei langsamem Erhitzen ebenfalls aktiviert werden.

Quelle: Molecules (2022): Comprehensive Review on Extraction Techniques and Decarboxylation for Medicinal Cannabis

1.2 Wirkungseintritt und -dauer

Die orale Aufnahme von Cannabis hat eine verzögerte, aber länger anhaltende Wirkung im Vergleich zum Inhalieren:

Parameter Inhalieren (Vaporizer/Joint) Oral (Getränk/Edible)
Wirkungseintritt Sekunden bis Minuten 30–90 Minuten
Wirkungsdauer 1–3 Stunden 4–8 Stunden
Bioverfügbarkeit THC 10–35 % 4–20 %
Steuerbarkeit Hoch (Dosierung pro Zug) Gering (einmal konsumiert)

Kardinalregel bei Getränken: Langsam trinken, mindestens 60–90 Minuten warten, bevor nachdosiert wird. Die häufigsten unangenehmen Erfahrungen mit Cannabis-Getränken entstehen durch Überdosierung, weil die Wirkung zu spät einsetzt.

→ Siehe auch: Dosierungsleitfaden → Siehe auch: Konsumformen im Vergleich

2. Cannabis-Milch (Grundbasis)

Cannabismilch ist die universelle Basis für viele Cannabis-Getränke. Sie kann als Grundlage für Tee, Kaffee, Milchshakes oder Schokoladengetränke dienen.

Zutaten: * 500 ml Vollmilch / Hafermilch / Mandelmilch (mind. 3,5 % Fett) * 2–5 g decarboxyliertes Cannabis (je nach gewünschter Potenz) * 1 TL Kokosöl oder Butter (optional, erhöht Fettgehalt) * 1 Prise Lecithin (optional, verbessert Emulgierung)

Zubereitung:

1. Milch in einem Topf bei niedriger Hitze erwärmen (nicht kochen – max. 80 °C!)
2. Decarboxyliertes Cannabis und Kokosöl zur Milch geben
3. Bei niedriger Hitze **20–30 Minuten** ziehen lassen, dabei gelegentlich umrühren
4. Durch ein feines Sieb oder ein Mulltuch abgießen
5. Die Milch ist nun gebrauchsfertig

Lagerung: Im Kühlschrank hält sich Cannabismilch 3–5 Tage. Vor Gebrauch gut schütteln (Fett und Wasser trennen sich).

Dosierung: Bei 3 g Cannabis mit 15 % THC auf 500 ml Milch ergibt sich eine theoretische Konzentration von ca. 45 mg THC pro 50 ml (450 mg Gesamt-THC in 500 ml bei 100 % Extraktion; real eher 60–70 % = 270–315 mg).

Fortgeschritten: Für eine besonders feine Textur kann die Milch mit einem Stabmixer püriert werden – das emulgiert die Fette besser und erhöht die Bioverfügbarkeit.

Quelle: Leafly – How to Make Cannabutter and Cannabis Oil (adapted for milk)

2.1 Cannabis-Tee (klassisch)

Cannabis-Tee ist die wohl älteste Form des Cannabis-Getränks und in vielen Kulturen seit Jahrhunderten bekannt.

Variante A – Mit Cannabismilch (empfohlen):

1. Teebeutel (Pfefferminz, Kamille, Chai oder Earl Grey) aufbrühen
2. Cannabismilch separat erwärmen (nicht kochen)
3. Tee und Milch mischen (Verhältnis 1:1 oder 2:1)
4. Nach Geschmack: Honig, Zucker oder Ahornsirup

Variante B – Direkt gebrüht (CBD-reich):

1. Etwa **0,5 g rohes Cannabis** (nicht decarboxyliert → CBDA/CBD, kaum psychoaktiv)
2. 250 ml kochendes Wasser mit 1 TL Kokosöl oder Butter aufgießen
3. 10–15 Minuten ziehen lassen
4. Abseihen und Schluck für Schluck genießen

Hinweis: Variante A liefert psychoaktive Wirkung (durch decarboxyliertes THC), Variante B ist reich an CBD/CBDA und hat keine berauschende Wirkung – eher entzündungshemmend und beruhigend.

→ Siehe auch: THC vs. CBD

2.2 Cannabis-Kaffee (Bulletproof-Style)

Zutaten: * 1 Tasse frisch gebrühter Filterkaffee * 2–3 EL Cannabismilch * 1 TL MCT-Öl oder Butter * Optional: Zimt, Kakaopulver, Vanilleextrakt

Zubereitung:

1. Kaffee zubereiten
2. Cannabismilch, MCT-Öl und Gewürze hinzufügen
3. Mit dem Stabmixer aufschäumen (ca. 15 Sekunden)
4. Sofort genießen

Hinweis zur Wirkung: Koffein und THC interagieren – die Kombination kann für manche angenehm (Fokus, Kreativität), für andere unangenehm (Herzrasen, Unruhe) sein. Am besten mit einer niedrigen Dosis beginnen (≥25 ml Cannabismilch).

3. Bhang – Das traditionelle indische Cannabisgetränk

Bhang ist ein traditionelles Cannabis-Getränk aus Indien, das dort seit über 3.000 Jahren zu religiösen Festen (Holi, Shivaratri) konsumiert wird. Es ist eine Mischung aus Cannabis, Milch, Gewürzen und manchmal Nüssen.

Zutaten (2 Gläser): * 2–4 g decarboxylierte Cannabis-Blüten oder -Blätter * 500 ml Vollmilch * 1–2 EL Mandeln oder Cashewkerne (eingeweicht) * 1 TL Mohnsamen * Gewürze: ½ TL Kardamom, ½ TL Ingwer (frisch gerieben), 1 Prise Muskat, 1 Prise Zimt * 1–2 EL Rohrzucker oder Jaggery (Palmzucker) * 1 EL Kokosöl (verbessert Fettlöslichkeit) * Optional: 1 TL Rosenwasser

Zubereitung:

1. Decarboxyliertes Cannabis, Milch und Kokosöl im Mixer glatt pürieren
2. Die Mischung in einem Topf bei **niedriger Hitze 20 Minuten** köcheln lassen (nicht kochen!)
3. Mandeln, Mohn, Gewürze und Zucker im Mörser zerstoßen oder im Mixer fein mahlen
4. Die Nuss-Gewürz-Mischung zur Milch geben und weitere 5 Minuten ziehen lassen
5. Durch ein feines Tuch abseihen (alternativ: durch ein sehr feines Sieb)
6. Rosenwasser unterrühren und gekühlt servieren

Traditionelle Variante: In Indien werden die Cannabisblätter vor dem Zerkleinern in Milch gekocht, nicht decarboxyliert. Die langsame Kochzeit überführt dennoch einen Teil des THCA in THC – die Wirkung ist aber milder als mit vorheriger Decarboxylierung.

Geschichte: Bhang wird bereits im Atharvaveda (ca. 1.500 v. Chr.) als eines der heiligen Kräuter Indiens erwähnt. Der Gott Shiva soll das Getränk geliebt haben.

Quellen: - Wikipedia – Bhang - Hanf Magazin – Bhang: Traditionelles indisches Hanfgetränk

4. Cannabis-Limonade

Eine erfrischende, nicht-alkoholische Variante für den Sommer – ideal für die legale Eigenanbau-Ernte.

Zutaten (1 l): * 200 ml Cannabismilch oder 50 ml Cannabis-Tinktur (Öl) * 800 ml Sprudelwasser oder Limonade (Zitrone, Holunder, Ingwer) * 2–3 EL Zitronensaft, frisch gepresst * 1–2 EL Agavendicksaft oder Honig * Eiswürfel * Optional: Minze, Gurkenscheiben, Zitronenscheiben

Zubereitung:

1. Cannabismilch mit Zitronensaft, Süße und Gewürzen verrühren
2. In Gläser füllen und mit Eiswürfeln auffüllen
3. Mit Sprudelwasser oder Limonade auffüllen
4. Mit Minze und Zitronenscheiben garnieren

Für Frucht-Limonade: 200 ml Erdbeer- oder Himbeerpüree unter die Cannabismilch mischen.

Wichtig bei kohlensäurehaltigen Getränken: Kohlensäure kann die Aufnahme von THC beschleunigen (durch erhöhte Magen-Darm-Durchblutung). Die Wirkung kann schneller eintreten als bei anderen Getränken – entsprechend vorsichtig dosieren.

5. Cannabis-Smoothies

Smoothies sind eine besonders gesunde und geschmackvolle Art, Cannabis zu konsumieren. Die Kombination mit Früchten und gesunden Fetten verbessert die Aufnahme.

Grüner Cannabis-Smoothie (ca. 5 mg THC pro Glas): * 1 Banane * 1 Handvoll Spinat oder Grünkohl * 1 Tasse Mandelmilch (oder Cannabismilch) * 50 ml Cannabismilch * 1 EL Chia-Samen * 1 EL Mandelmus * ½ Avocado * Saft von ½ Zitrone * Eiswürfel

Beeren-Cannabis-Smoothie: * 1 Tasse gemischte Beeren (frisch oder gefroren) * 50 ml Cannabismilch * 1 Tasse Joghurt (3,5 % Fett) oder Kokosjoghurt * 1 EL Honig * 1 EL Hanfsamen * ½ TL Lecithin (verbessert Bioverfügbarkeit)

Zubereitung: Alle Zutaten in den Mixer geben und 30–60 Sekunden cremig pürieren.

Hinweis: Banane und Avocado liefern gesunde Fette, die die Cannabinoid-Aufnahme verbessern. Hanfsamen oder Lecithin erhöhen die Bioverfügbarkeit zusätzlich.

6. Cannabis-Butter/MCT-Öl als Tropfenbasis

Eine praktische Alternative für Getränke ist ein konzentriertes Cannabis-MCT-Öl, das man tropfenweise dosieren und in jedes Getränk geben kann.

Einfaches Rezept für Cannabis-MCT-Öl (Tinktur):

1. 7–10 g decarboxyliertes Cannabis in ein Einmachglas geben
2. Mit 100 ml MCT-Öl oder Kokosöl übergießen
3. Im Wasserbad (oder Slow Cooker) bei **75–90 °C für 2–4 Stunden** ziehen lassen
4. Gelegentlich umrühren
5. Durch ein feines Sieb oder Kaffeefilter abseihen
6. In eine Tropfflasche abfüllen

Dosierung:

  • THC-Gehalt des Öls: Bei 10 g Cannabis mit 15 % THC und 100 ml Öl ≈ 15 mg THC/ml (bei 70 % Extraktion ≈ 10 mg/ml)
  • Anfangsdosis: 2–3 Tropfen (≈0,1–0,15 ml ≈ 1–1,5 mg THC)
  • Mittlere Dosis: 5–10 Tropfen (≈0,25–0,5 ml ≈ 2,5–5 mg THC)
  • Erfahrene: 10–20 Tropfen (≈0,5–1 ml ≈ 5–10 mg THC)

Anwendung: Einfach in Kaffee, Tee, Smoothies, Limonade oder Cocktails tropfen.

Vorteil: Präzise Dosierung, kein Abseihen nötig, lange haltbar (6–12 Monate im Kühlschrank).

→ Siehe auch: Extraktionsmethoden

7. Dosierungstabelle

Die richtige Dosis hängt von der Toleranz, dem Körpergewicht und der gewünschten Wirkung ab:

Toleranz THC pro Portion Geeignet für
Anfänger 2–5 mg THC Keine oder geringe Cannabis-Erfahrung
Gelegentlich 5–10 mg THC Gelegentlicher Konsum (1×/Monat oder seltener)
Regelmäßig 10–20 mg THC Wöchentlicher Konsum
Erfahren / Hochtoleranz 20–50 mg THC Täglicher Konsum oder medizinische Anwendung

Faustregel für Getränke: Mit der Hälfte der üblichen Edible-Dosis beginnen. Getränke werden oft schneller aufgenommen als feste Edibles.

Wichtige Warnung: * Die Wirkung von Cannabis-Getränken kann sehr stark sein und bis zu 8–12 Stunden anhalten * Bei Überdosierung: Ruhe bewahren, CBD-Öl kann die THC-Wirkung abschwächen * Kein Alkohol mit Cannabis mischen (verstärkt Wirkung unkontrollierbar) * Nicht vor dem Fahren konsumieren → Siehe auch: Cannabis und Fahrtüchtigkeit → Siehe auch: Dosierungsleitfaden

8. Rechtliche Hinweise

Die Herstellung von Cannabis-Getränken in Deutschland unterliegt dem Konsumcannabisgesetz (KCanG):

* Erlaubt: Herstellung für den Eigenbedarf aus legalen Quellen (Eigenanbau max. 3 Pflanzen oder aus Anbauvereinigung) * Verboten: Weitergabe oder Verkauf der Getränke an Dritte (auch ohne Gewinnabsicht) * Mengengrenzen: Der Besitz von bis zu 50 g getrocknetem Cannabis in der Privatwohnung ist erlaubt – bei Verarbeitung zu Getränken ist die Menge schwer zu bestimmen. Als Faustregel gilt: Die Ausgangsmenge darf die Grenzen nicht überschreiten * Öffentlicher Konsum: Der Konsum von Cannabis-Getränken in der Öffentlichkeit ist nicht erlaubt (Konsumverbot in Sichtweite von Schulen, Spielplätzen etc.) * Minderjährigenschutz: Cannabis-Getränke sind in keinem Fall für Personen unter 18 Jahren bestimmt * Alkohol-Mischungen: Cannabis-Cocktails mit Alkohol bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone und sollten vermieden werden – insbesondere im öffentlichen Raum

→ Siehe auch: Recht: Deutschland – Cannabisgesetz (CanG) → Siehe auch: Sicherheit & Qualität

9. Quellenverzeichnis

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