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Nutzhanf trotzt Trockenheit: Studie zu Brandenburger Sandböden
Autoren: Agne Matvejeva, Magdalena Sut-Lohmann, Thomas Raab, Martina Heinrich
Institutionen: Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (Lehrstuhl Aquatische Ökologie, Lehrstuhl Geopedologie und Landschaftsentwicklung) & Technische Universität Braunschweig (Institut für Geoökologie)
Publikation: International Journal of Environmental Research, Volume 20, Article 71 (2026) DOI: 10.1007/s41742-025-01038-5 Open Access: Ja Veröffentlicht: 23. Januar 2026 Studientyp: Feldversuch
Überblick
Brandenburg ist das trockenste Bundesland Deutschlands, mit häufigen Dürreperioden und sandigen Böden, die die konventionelle Landwirtschaft zunehmend vor Herausforderungen stellen. Diese Studie untersuchte erstmals systematisch, ob Industriehanf (Cannabis sativa L., Sorte Santhica 27) unter den extremen Bedingungen Brandenburger Sandböden wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll angebaut werden kann – und das ohne Düngung und bei simuliertem Wasserstress.
Hintergrund
Brandenburgs Landwirtschaft steht unter Druck:
- Sinkende Maisanbaufläche: Silomais, eine der wichtigsten Kulturen, verlor in den letzten Jahren 15 % seiner Anbaufläche aufgrund von Dürreschäden (Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, 2025)
- Wasserknappheit: Brandenburg leidet unter zunehmenden Trockenperioden und sinkenden Grundwasserpegeln
- Sandböden: Die nährstoffarmen, sandigen Böden erfordern hohe Düngemengen und sind anfällig für Erosion
Gleichzeitig hat sich die Anbaufläche von Nutzhanf in Brandenburg von nur 300 ha (2022) auf 1.477 ha (2024) fast verfünffacht (BLE, 2025). Hanf wird als vielversprechende Kultur für die Bioökonomie-Strategie Brandenburgs (MLUK, 2020) gehandelt, da er als Trockenheitstoleranz, tiefes Wurzelsystem und vielseitige Verwertungsmöglichkeiten (Faser, Biomasse, Baustoffe) bietet.
Methodik
Die Forscher führten einen Feldversuch auf sandigen Ackerböden in Brandenburg durch:
- Sorte: Santhica 27 (monözischer, EU-zertifizierter Faserhanf)
- Bedingungen: Simulierter Wasserstress (169 mm Niederschlagsdefizit während der Vegetationsperiode) & keine Düngung
- Pflanzdichten: Getestet wurden verschiedene Pflanzdichten (niedrig: ~71 Pflanzen/m² vs. hoch)
- Messparameter: Pflanzenhöhe, Stängeldurchmesser, Biomasse, Faserertrag, Wurzelentwicklung, Kohlenstoffbindung, Nährstoffverteilung (N, K, Ca, Mg) in Pflanzenorganen
Zentrale Ergebnisse
1. Trockenresistenz
Hanf entwickelte auch unter erheblichem Wasserstress (169 mm Niederschlagsdefizit) ein ausgeprägtes Wurzelsystem, das eine effiziente Nährstoffaufnahme aus tiefen Bodenschichten ermöglichte. Die Pflanze erwies sich als deutlich trockenheitstoleranter als Silomais, der traditionell in Brandenburg angebaut wird.
2. Optimale Pflanzdichte
| Pflanzdichte | Stängeldurchmesser | Biomasseertrag | Faserqualität |
|---|---|---|---|
| Niedrig (~71 Pfl./m²) | Größere, dickere Stängel | Höherer Biomasseertrag | Bessere Faserqualität |
| Hoch (>71 Pfl./m²) | Dünnere Stängel | Geringerer Ertrag bei Trockenheit | Höhere Ausdünnung |
Kernerkenntnis: Niedrigere Pflanzdichten überleben Trockenperioden besser und erzielen gleichzeitig höhere Erträge. Die höhere Konkurrenz um Wasser bei dichten Beständen führt zu vermehrter Ausdünnung und geringeren Erträgen unter Trockenstress.
3. Nährstoffverteilung
Die Nährstoffaufnahme (N, K, Ca, Mg) wurde durch den Wasserstress beeinträchtigt, aber Hanf zeigte eine effiziente interne Nährstoffumverteilung zwischen Wurzeln, Stängeln und Blättern. Die Pflanze passte ihre Ressourcenallokation flexibel an die Trockenstressbedingungen an.
4. Kohlenstoffbindung (Literaturvergleich)
Die Studie führt im Hintergrund Abschätzungen aus der Literatur auf: Laut Adesina et al. (2020) hat Hanf das Potenzial, pro Hektar etwa 22 Tonnen CO₂ zu binden – mehr als die meisten anderen Kulturen oder neu angelegte Wälder. Dieser Wert stammt nicht aus dem Feldversuch, sondern dient als Einordnung des Klimaschutzpotenzials.
- Das tiefe Wurzelsystem trägt zur Kohlenstoffanreicherung in tiefen Bodenschichten bei
- Dies ist besonders für sandige Böden relevant, die typischerweise nur geringe organische Kohlenstoffgehalte aufweisen
5. Wirtschaftlichkeit
- Hanf benötigt geringe Betriebsmittelkosten (kein Dünger, wenig Pflanzenschutz)
- Als Vorfrucht für Getreide verbessert Hanf die Bodenstruktur und unterdrückt Unkräuter
- Vielseitige Nutzung als Faser-, Biomasse- und potenziell CBD-Lieferant eröffnet mehrere Einkommensquellen
- Allerdings sind stabile Absatzmärkte und Verarbeitungsinfrastruktur entscheidend für die wirtschaftliche Rentabilität
Bedeutung für Brandenburg
Die Studie liefert wichtige Impulse für die klimaangepasste Landwirtschaft in Brandenburg:
- Klimaresilienz: Hanf kann eine zentrale Rolle in der Anpassung an den Klimawandel spielen, insbesondere auf den leichten Böden Nordostdeutschlands
- Bioökonomie: Hanf als nachwachsender Rohstoff für Fasern, Baustoffe (Hanfdämmung) und Biokunststoffe passt in die brandenburgische Bioökonomiestrategie
- CO₂-Bindung: Die hohe Kohlenstoffsequestrierung trägt zu den Klimaschutzzielen bei
- Geringere Nitratbelastung: Hanf reduziert durch seine effiziente Stickstoffaufnahme die Nitratauswaschung ins Grundwasser
Stimmen aus der Forschung:
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Hanf auch auf armen Sandböden wirtschaftlich und ökologisch angebaut werden kann – besonders in Zeiten zunehmender Dürren.“ — Agne Matvejeva, BTU Cottbus-Senftenberg
„Gerade die Pflanzdichte spielt eine entscheidende Rolle: Weniger dichte Bestände überleben Trockenperioden besser und liefern gleichzeitig höhere Erträge. Dies eröffnet neue Perspektiven für die klimaangepasste Landwirtschaft in Brandenburg.” — Thomas Raab, BTU Cottbus-Senftenberg
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Quellen
- Matvejeva, A., Sut-Lohmann, M., Raab, T., & Heinrich, M. (2026). Assessing the Possibility to Cultivate Industrial Hemp (
Cannabis sativaL.) in Sandy Agricultural Soils of Brandenburg under Water Scarcity and Nutrient Deficiency.International Journal of Environmental Research, 20, 71. DOI: 10.1007/s41742-025-01038-5 - BTU-Pressemitteilung: Hemp defies drought: Sustainable harvest possible on barren soils in Brandenburg
- Michels, M., Brinkmann, A., & Mußhoff, O. (2025). Economic, ecological and social perspectives of industrial hemp cultivation in Germany: A qualitative analysis.
J. Environ. Manage., 389, 126117. DOI: 10.1016/j.jenvman.2025.126117 - Adesina, I., Bhowmik, A., Sharma, H., & Shahbazi, A. (2020). A Review on the Current State of Knowledge of Growing Conditions, Agronomic Soil Health Practices and Utilities of Hemp in the United States.
Agriculture, 10(4), 129. DOI: 10.3390/agriculture10040129 - BLE (2024): Anbau von Nutzhanf in Deutschland – Statistik
- Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (2025): Landwirtschaftliche Bodennutzung – Mehr Getreide und Hülsenfrüchte, weniger Zuckerrüben
- MLUK Brandenburg (2020): Bioökonomie-Strategie – Bioökonomie-Strategie des Landes Brandenburg
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